Berlinale 2008

Gespenstische Bilder auf der Berlinale - Standard Operating Procedure

geschrieben am 13. Februar 2008 von Haiko in Berlinale 2008

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Wahrscheinlich konnte niemand 2006 den vielen Fotos und Videos entkommen, die durch die Medien geisterten. Sie dokumentierten eine bisher ungeahnte Brutalität im Abu Ghraib-Gefängnis in Bagdad. Zeigen die Fotos ein Verbrechen oder können sie mit S.O.P bestempelt werden?! S.O.P heißt ‘Standard Operating Procedure’, was so viel bedeutet wie eine Standardarbeitsanweisung.

Oscarpreisträger Errol Morris hatte sich vor zwei Jahren zur Aufgabe gemacht, die Soldaten, die die Fotos machten, vor der Kamera zu interviewen und die Fragen zu klären: sind die berüchtigten Aufnahmen ein Beweis für eine systematische Folter durch die amerikanische Armee oder dokumentieren sie nur das anomale Verhal­ten einiger weniger moralisch Verirrter? Entstanden ist ein 118-minütiger Dokumentarfilm im Widescreen-Format, der auf der Berlinale zwei Premieren feiert: zu einem seine Weltpremiere und zum anderen ist es die erste Dokumentation, die im Wettbewerbsprogramm läuft.

Morris wollte seinen kleinen Beitrag zu den Diskussionen hinzusteuern und untersuchte den Kontext der Fotos. Er war in der Position zuhören zu können und bezeichnet selbst sein Werk als einen nicht-fiktionalen Horrofilm. Die Geschehnnise im Gefängnis charakterisiert er als eine Tragödie nicht nur für die Insassen, sondern auch für sein ganzes Land. Mit seinem Film wollte er nicht den Soldaten Platz für Entschuldigungen oder Zugeständnisse bieten, er wollte viel mehr eine Geschichte über die Fotos machen. Zeigen die Fotos Folterungen? “Klar,” gesteht er. Er habe auch die Opfer interviewt, aber er wollte in dieser sich stets veränderten Welt die Soldaten zeigen, die die Schuld auf sich nahmen und so illustrieren, dass das Gefängnis an sich der unwiderlegliche Beweis für Verbrechen in Abu Ghraib ist. Man hätte noch viel mehr reinpacken können, aber er mußte sich auf Sachen begrenzen. “Ohne diese Fotos wären wir blind für diese Momente der Geschichte gewesen,” so der 60-jährige Regisseur, der sich selbst nicht nur als Filmemacher, sondern vor allem auch als Ermittler sieht.

Der Film ist mit vielen Reenactment-Szenen bestückt, optisch aufgestylt und mit einem für einen Dokumentarfilm überaus guten Score unterlegt, komponiert von Danny Elfman. Für einige Journalisten wich Morris mit den vielen historischen Nachstellungen von seinem mit Fakten gepflasterten Weg ab. Doch er konterte: “Muss ich mit einer Handkamera rumlaufen und schlechtes Licht verwenden? Ist die Sache dann glaubhafter? Die Wahrheit kann auch auf einem zweiten Wege präsentiert werden und wir werden die Realität trotzdem erkennen.” Seiner Meinung nach habe er die oberste Regel im Dok-Film befolgt, nämlich die Wahrheit aufzudecken. Viele wissen gar nicht, dass das Militär versucht hatte, viele Fotos zu zerstören und Beweise zu vernichten.

Was ihm geglückt ist, er richtete erneut den Spot des Wissensdurstes der Leute auf das Gefängnis. Vielleicht stellen sich einige die Frage: Was hätte man getan, wenn man selber dort gewesen wäre? Fakt ist, dass viele junge Amerikaner, vor allem arme Amerikaner sich freiwillig zum Militärdienst melden. Sie sehen dort eine Gelegenheit fürs Leben, die womöglich - wie gesehen - in einer der dunkelsten Passage in der amerikanischen Geschichte enden könnte. So schlimm die Bilder auch sind, dabei geht leider der Blick auf das ganze Ausmaß der Geschichte verloren: “Kinder wurden verhaftet, Gefangene zufällig ausgewählt und ohne Hoffnung auf Entlassung und ohne rechtlichen Beistand festgehalten,” so Morris. Hinzu kommt, dass viele Fotos mit einem S.O.P klassifiziert wurden, das heißt, dass die brutalen Verhörmethoden als legal durchgingen. Zwiespältige Eindrücke hinterläßt er allemal. Ist es gestattet in einem dokumentarischen Werk, dass politische Wahrheiten beleuchten möchte, all die kennzeichnenden Manipulationsmittel aus der fiktiven Filmwelt zu nutzen? Vielleicht war dies die falsche Methode und man hätte auf die Kraft der Interviewbilder vertrauen sollen … dennoch eine ergreifende Doku.

Der Sonnenschein der Berlinale - Happy-Go-Lucky

geschrieben am 12. Februar 2008 von Haiko in Berlinale 2008

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Endlich sollte es heute unter den unzähligen Dramen im Wettbewerb auch einmal zu einer herzerfrischenden Komödie kommen. Aus Großbritannien stammt der Film mit dem Titel “Happy-Go-Lucky” von Mike Leigh, der für dramatische Geschichten mit komödiantischen Elementen bekannt ist. Begleitet wurde der Regisseur von seinem Produzenten Simon Channing Williams und seinen Hauptdarstellern Sally Hawkins und Eddie Marsan.

Poppy steht im Mittelpunkt des Films, der gleichzeitig auf der Berlinale seine Weltpremiere feiert. Sally Hawkins spielt eine Lehrerin aus Nord-London und marschiert - wie der Titel schon verspicht - unbeschwert durchs Leben. Wer sie nicht kennt, weiss nicht, ob sie nur verantwortungslos oder gar ein bisschen verrückt ist. Eines steht fest: sie ist herzallerliebst und passt man nicht auf, verliebt man sich in sie.

Der Film über das Leben, Leidenschaft, die Liebe und der Schmerz spielt in London. Poppy lebt in London, liebt London, ist mit London verheiratet, aber die Geschichte ist keine reine britische. Sie muss immer etwas unternehmen, steht ständig unter Strom und hat eine unglaubliche Energie. Sie lebt nicht ihr Leben, sie zelebriert es. Offen zu jederman, beklagt sie sich selber nie. Von nun an begleitet man sie auf ihrer Reise durchs Leben. Ihr begegnet ein Fahrschullehrer, gespielt von Eddie Marsan, der das totale Gegenteil verkörpert. Er tadelt und gibt anderen Leuten Schuld an vielen Dingen. Sein Leben geht praktisch ins Nirgendwo, was ihn sehr kraftlos erscheinen läßt. Und wie sollte es anders sein, er verliebt sich in sie. Als er erfährt, dass Poppy einen Freund hat, wird die Fahrstunde zum rasanten Albtraum.

Leigh möchte, dass man im Kino etwas fühlt, sich aber nicht sicher ist, was man da fühlt. Er zieht seine Ideen immer aus dem Leben und versucht sie in seine selbst erschaffene Welt einzubauen. Er zeigt die Leute ehrlich, wie sie sind, in dieser sich nie ändernden Welt. Seine Charakteren kommen stets dreidimensional und die Welt soll so echt aussehen, dass man mit einem messer Reinstechen möchte. Im Gegensatz zum Welttrend Pessimismus kommt diese zu tiefst erfrischende Figur Poppy, die nichts erschüttern kann. Sie erhellt das Wettbewerbsprogramm wie die Sonnenstrahlen die Erde an einem Frühlingstag. Da stirbt Hannelore Elsners Filmfigur in “Kirschblüten - Hanami” und Abends sollst du dir die Fotos aus dem Abu-Ghraib-Gefängnis in Bagdad ansehen - da kommt dieser Strahlemann zum richtigen Zeitpunkt. Der momentan beste Beitrag der diesjährigen Berlinale.

Dienstag, 12. Februar - Tag sechs der 58. Berlinale

geschrieben am 12. Februar 2008 von Thorsten in Berlinale 2008

standard.jpgAuch der sechste Tag der diesjährigen Berlinale kommt gänzlich ohne Hollywood-Glanz aus, was dem Festival nach dem Trubel der vergangenen Tage sicherlich auch einmal gut tut. Es sind die eher kleinen unbekannten Wettbewerbsbeiträge die nun in den Mittelpunkt rücken.

Den Anfang macht das koreanische Drama “Bam gua Nat”. Für die Premiere des Films werden heute unter anderem der Regisseur Hong Sang-Soo und die Schauspieler Park Eun-Hye und Kim Young Ho erwartet. Der Film erzählt die Geschichte des Malers Sung-nam (Kim Yeong-ho). Er ist um die Vierzig und verheiratet. Jetzt steht er mit einer großen Reisetasche am Flughafen von Paris – denn Sung-nam ist auf der Flucht. In Korea droht ihm eine Gefängnisstrafe. Er war dabei er­wischt worden, wie er Marihuana rauchte – bei einem zufälligen Zusammen­treffen und obendrein noch betrunken.
Im 14. Arrondissement findet Sung-nam Unterkunft in einer heruntergekom­menen Pension, die einem Koreaner gehört. Er verbringt die Zeit da­mit, ziellos durch die Straßen der Seine-Metropole zu wandern oder durch den nahen Park zu schlendern, irgendetwas anderes gibt es für ihn hier nicht zu tun. Zufälligerweise begegnet er auf einem seiner Spazier­gänge seiner Exfreundin Min-sun (Kim Youjin), doch das unerwartete Wiedersehen löst in ihm nichts aus. Sung-nams Liebe gehört seiner Frau, und die Gedanken an sie, die er allein in Korea zurücklassen musste, verfolgen ihn unablässig.
Doch dann lernt er Hyun-ju (Seo Minjeong) kennen, eine junge Koreanerin, die in Paris Kunst studiert – und ihre Mitbewohnerin Yu-jeong (Park Eunhye). Sung-nam verliebt sich Hals über Kopf in diese ebenso hübsche wie verwirrend geheimnisvolle junge Frau. Und gleichzeitig verliebt er sich auch in Paris.

Gegen 19.30 Uhr folgt die Premiere des britischen Wettbewerbsbeitrages “Happy-Go-Lucky” von Regisseur Mike Leigh. Im Mittelpunkt der ersten Komödie, die im Wettbewerb zu sehen ist,  steht Poppy (Sally Hawkins), eine Lehrerin aus Nord-London, deren Leben auf den ersten Blick reichlich verwickelt erscheint. Der Regisseur: “Meine Filme sollen wie Dokumentarfilme sein. Wenn man Kameramann bei einer Wochenschau ist und ein echtes Ereignis filmen soll, ist einem klar, dass diese Welt tatsächlich existiert, egal ob man es jetzt filmt oder nicht. In meinen Filmen möchte ich eine Welt schaffen, die genauso wahrhaftig ist, etwas, das so dreidimensional und echt aussieht, dass man mit dem Messer reinstechen möchte.” Und 1993 beschrieb Leigh seine Haltung zu seinen Protagonisten so: “Ich treffe in meinen Filmen keine moralischen Urteile, ich ziehe keine Schlüsse. Ich stelle Fragen, ich beunruhige den Zuschauer, ich mache ihm ein schlechtes Gewissen, lege Bomben, aber ich liefere keine Antworten. Ich weigere mich, Antworten zu geben, denn ich kenne die Antworten nicht.”
Neben dem Regisseur erwartet Festivalleiter Dieter Kosslick auch die Schauspieler Sally Hawkins und Eddie Marsan sowie den Produzent Simon Channing Williams.

Zum Abschluss des Tages geht der US-Dokumentarfilm “Standard Operating Procedure” ins Rennen um den begehrten Goldenen Bären. In seinem Film beschäftigt sich Regisseur Erol Morris mit den Hintergründen der Geschehnisse im Abu-Ghraib-Gefängnis in Bagdad. Der Film handelt von Amerika und den Amerikanern. Er handelt vom Verlust der Unschuld, der das ganze Land betrifft – und nicht allein eine Handvoll Soldaten.
Kann eine Fotografie die Welt verändern? – Zwölf Fotos aus dem Abu-Ghraib-Gefängnis in Bagdad haben im April 2004 jedenfalls den Krieg im Irak verändert und erhebliche Folgen für das Selbstbild der USA gehabt. Zu sehen war auf ihnen, wie irakische Gefangene von amerikanischen Soldaten erniedrigt und gefoltert wurden. Die als Gefängnispersonal eingesetzten Armeeangehörigen hatten die Bilder selbst aufgenommen.
Eine zentrale Frage ist bis heute unbeantwortet geblieben: Liefern die berüchtigten Aufnahmen den Beweis für eine systematische Folter durch die amerikanische Armee? Oder dokumentieren sie nur das anomale Verhalten einiger weniger moralisch Verirrter?
Errol Morris’ Film nähert sich der Bedeutung dieser Bilder, indem er die Fotos in ihrem Kontext untersucht. Warum und wozu wurden sie gemacht? Was geschah außerhalb des Bildausschnitts? Morris sprach persönlich mit den Soldaten, die die Fotos aufgenommen haben, und auch mit denen, die auf ihnen abgebildet sind. Wer sind diese Leute? Was ging damals in ihnen vor? Zwei Jahre lang hat Errol Morris Interviews geführt und Akten studiert. Jeder kennt die Fotos, aber nur wenige Menschen wissen, was wirklich in Abu-Ghraib geschah.
Viele Journalisten haben damals nach unwiderlegbaren Beweisen für Verbrechen in Abu-Ghraib gesucht. Der Film illustriert, dass das Gefängnis selbst dieser Beweis ist.

Kirschblüten auf dem Roten Teppich

geschrieben am 12. Februar 2008 von Thorsten in Berlinale 2008

kirsche.jpgIm Mittelpunkt des gestrigen Tages, des Medien- und Faninteresses stand sicherlich der deutsche Wettbewerbsbeitrag “Kirschblüten - Hanami” von Regisseurin Dories Dörrie. Der Film erzählt die Geschichte einer aufopfernden Liebe und einer poetischen Reise in das Innere des Seins.
Für die Premiere des Films, die um 19.00 Uhr im Berlinale-Palast von statten ging, fand sich ein großer Teil des Filmteams ein. Neben der Regisseurin waren dies unter anderem die Produzenten Harald Kügler und Molly von Fürstenberg sowie die Schauspieler Maximilian Brückner, Nadja Uhl, Aya Irizuki, Hannelore Elsner und Elmar Wepper. Abgesehen von Dörrie, die einige Autogramme gab, wurden die Fans von den deutschen Stars leider ein wenig ignoriert. Dafür ließen sie sich ausgiebig auf dem Roten Teppich ablichten und gaben den wartenden Journalisten geduldig Interviews.

Der Premiere ging die Präsentation der Shooting-Stars 2008 voraus. Hierbei stand besonders Hannah Herzsprung im Mittelpunkt. Prominente Gäste des Abends waren neben anderen erneut auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Martina Gedeck.

Ein berührender Film über die Vergänglichkeit - “Kirschblüten - Hanami”

geschrieben am 12. Februar 2008 von Haiko in Berlinale 2008

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Natürlich stand an diesem Montag für uns der einzige deutsche Wettbewerbsbeitrag der diesjährigen Berlinale, “Kirschblüten - Hanami” von Doris Dörrie, im Vordergrund, somal der Film gerade beim Bayerischen Filmpreis den mit 200.000 Euro dotierten Produzentenpreis ausgezeichnet wurde und Elmar Wepper den mit 10.000 Euro dotierten männlichen Darstellerpreis erhielt. Da war es klar, dass der erste Wettbewerbsbeitrag an diesem Tag, “Tropa de Elite” aus Brasilien und Argentinien und der letzte Beitrag, “Man Jeuk” aus Hongkong und China, leider etwas verblassten.

“Kirschblüten - Hanami” feiert zugleich Weltpremiere auf der Berlinale, so durfte das deutsche Staraufgebot natürlich nicht fehlen. Die Regisseurin erschien gemeinsam mit ihren Produzenten Molly von Fürstenberg und Harald Kügler und dem Darstellerensemble Hannelore Elsner, Elmar Wepper, Nadja Uhl, Maximilian Brückner und Aya Irizuki. Elmar Wepper arbeitete bereits an “Der Fischer und seine Frau” (2005) mit Dörrie zusammen, der ebenfalls zum Teil in Japan spielte. Für Wepper war die Reise nach Japan natürlich ein Kulturschock. Seine Szenen in Frauenkleidern wären aber nicht weiter schwierig gewesen, denn die Japaner schauten nur einfach weg. Er liebte die Achtsamkeit an seiner Regisseruin: “Sie findet immer das richtige Gefühl für die Distanz und die Nähe”, sagte der 63-jährige. Bei ihr gäbe es manchmal gar keine Proben. Sie würde dann nur sagen: “Was heißt hier Probe? Das wird gleich mitgedreht!” “Und das gibt dir als Schauspieler natürlich einen gewissen Grad an Freiheit.”

“Kirschblüten - Hanami” handelt insbesondere von Tod und dem Zusammentreffen der westlichen und der östlichen Welt. Gerade dieses schwere Thema, über das man nicht so gerne spricht, in Bilder zu fassen und die richtigen Emotionen zu finden, ist ein schweres Unterfangen. Dörrie legte viel Wert darauf, dass man oft mit einander war und nicht nur gezwungen wurde, etwas zu spielen. “Vieles passierte nonverbal,” und sie hätte mit ihren Schauspielern fast gar nicht über den Tod reden müssen. “Natürlich sollte man nie über Gefühle reden, die man gar nicht kennt,” sagt sie. Für Hannelore Elsner war die Rolle ein Geschenk. “Ich brauchte keinen Mut, um die Rolle anzunehmen. Es war als hätte ich in Trudi meine eigene Oma wieder lebendig gemacht.”

An Japan reizt Dörrie vor allem, wie achtsam man mit einander umgeht. In Japan fühlte sie sich zum ersten Mal richtig aufgehoben. Ihr erster Film, der in Japan spielte, war “Mitten ins Herz”, ihr zweiter Film “Erleuchtung garantiert” und “mit “Kirschblüten - Hanami” schließt sich so langsam ein Kreis”, so die Regisseurin. Die Kirschblüte dient natürlich als Metapher für die Vergänglichkeit und man müsse aufpassen, dass man sich nicht vom eigenen Leben so weit ablenken lässt, das man seine eigene Blüte verpasst.” Im Grunde genommen war der Film nicht schwierig,” sagte Dörrie. “Die Crew war sich einig. Die Schauspieler sollten selber ihre Figuren füllen.”

Die japanische Tänzerin Aya Irizuki wäre sehr aufgeregt beim Casting gewesen und sie fand alle sehr nett. Die Auftritte im Münchner Volkstheater von Maximilian Brückner, dem deutschen Shootingstar der letzten Berlinale, gefiel Dörrie sehr gut, deswegen habe sie ihn für diese Rolle besetzen wollen und an Elmar Wepper liebt sie, dass er keine bestimmt Pose hat. Und wie fühlt sich die Regisseurin so kurz vor der Galapremiere ihres neuesten Films? “Zum ersten Mal schaue ich den Film gemeinsam mit Zuschauern. Ich hühle mich wie auf einem Operationstisch ohne Narkose. Aber ich werde versuchen die ganze Zeit hier zu genießen.”

Die erste Hälfte des Films plätschert etwas dahin, doch wenn die westliche Geschichte in den Osten reist und Elmar Wepper dort einen Menschen findet, der sich seiner annimmt, ohne mit ihm wirklich eine Sprache teilen zu können, ist es ein gutes Stück deutsches Kino und vor allem gutes Handwerk deutscher Schauspielkunst. Nach dem Film wird man sich mehr um seine Eltern kümmern wollen und mehr auf seinem Partner eingehen. Neben mir fingen einige Zuschauer an zu weinen … das muss doch etwas heißen!

Montag, 11. Februar - Tag fünf der 58. Berlinale

geschrieben am 11. Februar 2008 von Thorsten in Berlinale 2008

kirschbluten.jpgHeute geht es rein startechnisch gesehen ein wenig ruhiger auf der Berlinale zu, jedenfalls im Hinblick auf Hollywood. Dafür schickt Regisseurin Doris Dörrie ihren Wettbewerbsbeitrag “Kirschblüten - Hanami” ins Rennen um den Goldenen Bären - der einzige deutsche Beitrag im diesjährigen Wettbewerb. Ihr Drama erzählt die Geschichte einer aufopfernden Liebe und einer poetischen Reise in das Innere des Seins: Nur Trudi weiß, dass ihr Mann Rudi Krebs im Endstadium hat. Als der Arzt eine letzte gemeinsame Unternehmung vorschlägt, überredet Trudi ihren Mann, mit ihr die Kinder und Enkel in Berlin zu besuchen. Doch die sind viel zu sehr mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, um sich um die beiden zu kümmern. Nachdem sie noch die Aufführung eines Butoh-Tänzers besucht haben, reisen Trudi und Rudi in ein Hotel an die Ostsee. Dort stirbt plötzlich Trudi – Rudi ist völlig aus der Bahn geworfen. Er weiß nicht, wie das Leben weitergehen soll. Bis er sich auf den Weg nach Japan macht, um dort den jüngsten Sohn, Karl, zu besuchen.

Der Wettbewerbstag wird von der brasilianisch-argentinischen Co-Produktion “Tropa de elite” von Regisseur José Padilha eröffnet, ein Film, der die Gewalt in den Favelas Rio de Janeiros thematisiert: Rio de Janeiro 1997. Der Polizeioffizier Nascimento, Einsatzleiter eines Elitekommandos, gerät in eine persönliche Krise, als er den Auftrag erhält, eine Eingreiftruppe zu führen, die mit offensichtlich fadenscheiniger Begründung in einer von Drogenhändlern beherrschten Favela für Recht und Ordnung sorgen soll. Doch solange er keinen Nachfolger für seinen Posten präsentieren kann, ist er gezwungen, dem Befehl Folge zu leisten. Dass seine Frau Rosane in Kürze die Geburt ihres ersten Kindes erwartet und ihn täglich darum bittet, sich aus der Schusslinie zurückzuziehen, macht die Angelegenheit nicht einfacher für ihn. Doppelt unter Druck gesetzt, wird der Stress nur umso spürbarer für Nascimento.
In dieser Situation erreicht ihn ein Notruf. In einer anderen Favela ist es während einer Party zu einer Schießerei gekommen, Nascimento und seine Leute sollen zwei jungen Polizisten zu Hilfe kommen. Die beiden sind schwer beeindruckt, mit welcher Professionalität Nascimentos Trupp sie freikämpft – umgehend melden sich Neto und Matias als Nachwuchskräfte zur Ausbildung bei der Eliteeinheit an. Schnell spricht sich ihr besonderes Engagement herum. Der eine ist bekannt für seinen Wagemut, der andere beeindruckt durch seine Intelligenz. Wenn es Nascimento gelänge, diese beiden Eigenschaften in nur einem zu bündeln, könnte er seinen Nachfolger präsentieren …

Abschließend findet um 22:30 Uhr die Premiere des hongkong-chinesischen Wettbewerbsbeitrages “Man Jeuk” statt. Regisseur Johnnie To fokussiert in seinem Drama vier Taschendiebe aus Hongkong: “Sparrow”, Spatz, ist ein geläufiges Wort im Hongkonger Straßenslang – so werden dort die Taschendiebe genannt. Der Ausdruck spielt an auf die besondere Fingerfertigkeit, die man benötigt, um sich Portemonnaies aus fremder Leute Taschen herauszupicken … und möglicherweise auch auf die Notwendigkeit, im Falle der Entdeckung rasch auf und davon zu fliegen.
Kei ist einer dieser “Spatzen”, und ein sehr professioneller. Zusammen mit drei Partnern lebt er ganz gut davon, im Straßengewühl von Hongkong tief in die Taschen ahnungsloser Passanten zu greifen. Für Kei reicht es jedenfalls zu einem sorgenfreien Leben. Wenn er nicht gerade seinem Broterwerb nachgeht, fährt er gern mit seinem Fahrrad durch die Stadt, um mit seiner alten Rolleiflex-Kamera Straßenszenen zu fotografieren. Eines Tages taucht dabei die umwerfend schöne Chun Lei in seinem Sucher auf. Kei ist fasziniert.
Doch hinter Chun Leis attraktivem Äußeren liegt eine geheimnisvolle Vergangenheit verborgen. Nachdem sich nicht allein Kei in sie verliebt hat, sondern es ihr auch gelingt, seinen drei Kollegen den Kopf zu verdrehen, offenbart sie ihre wahren Absichten. Die “Spatzen” sollen einen Schlüssel stehlen, der für sie von größter Wichtigkeit ist. Zunächst scheint das ganz einfach zu sein, doch dann kommt mit dem öffentlichkeitsscheuen Tycoon Mr. Yen ein weiterer Interessent ins Spiel …

Der eigentliche Starrummel findet an diesem Montag abseits der Berlinale statt. Wie jedes Jahr, so findet auch dieses Jahr die Veranstaltung “Cinema for Peace” zur Zeit der Berlinale in Berlin statt. Zu der Benefizgala werden unter anderem Catherine Deneuve, Christoper Lee, Bob Geldof, Hilary Swank und Opernsängerin Anna Netrebko erwartet.

Zum Abschluss des Tages noch einmal Starpower

geschrieben am 11. Februar 2008 von Thorsten in Berlinale 2008

fireflies3.jpgBeschlossen wurde der vierte Berlinaletag durch das Drama “Fireflies in the Garden”, das außer Konkurrenz auf der Berlinale gezeigt wurde. Der Film sollte vornehmlich dazu dienen, das Starpotential zu erhöhen, doch durch das Fernbleiben der eigentlich als Gast angekündigten Hauptdarstellerin Julia Roberts ging dieser Plan nicht ganz auf. Stattdessen reisten neben Regisseur Dennis Lee und Produzent Marco Weber das Ex-Jurymitglied Willem Dafoe, Ryan Reynolds und Shooting-Star Hayden Panettiere, bekannt aus der Serie “Heroes”, an die Spree. Bevor die Stars den Roten Teppich betraten, trafen einige deutsche Berühmtheiten ein, unter anderem Martina Gedeck, Sibel Kekilli, Udo Kier und Oliver Pocher, der für besonders großes Aufsehen unter den Fans sorgte und sie mit vielen Autogrammen zufrieden stellte. Um 22.30 Uhr begrüßte Festivalleiter Dieter Kosslick endlich seine Ehrengäste. Nachdem sie sich von den zahlreichen Fotographen auf dem Roten Teppich ablichten ließen gaben Hayden Panettiere und Ryan Reynolds den wartenden Fans Autogramme - besonders die junge “Heroes”-Darstellerin war sehr gefragt. Ryan Reynolds nahm sich besonders viel Zeit für seine Fans. Willem Dafoe gab nur einige wenige Autogramme. Anschließend folgten die gewohnten Interviews für die Presse.

Das Drama “Fireflies in the Garden” erzählt die Geschichte einer Familie, die aufgrund eines tragischen Unfalls an aufgestauten Kränkungen, Enttäuschungen und wechselseitigen Vorwürfen zu zerbrechen droht.

Foto: SENATOR Entertainment AG

Ein Sir in Berlin - Teil 2: Elegy

geschrieben am 11. Februar 2008 von Thorsten in Berlinale 2008

berlinale_2008_33.JPGNachdem Sir Ben Kingsley am vergangenen Berlinaletag den Panorama Special Beitrag “Transsiberian” im Zoo-Palast vorstellte, erschien er am gestrigen Abend gegen 19.30 Uhr am Roten Teppich des Berlinale-Palastes. Diesmal wurde er von Penélope Cruz und Isabel Coixet, der Regisseurin des Wettbewerbsbeitrags “Elegy” begleitet. Bereits Stunden zuvor begaben sich erste Fans zum Marlene-Dietrich-Platz, um auf ihre Lieblinge zu warten. Und ihre Geduld sollte sich auszahlen, denn sowohl Ben Kingsley als auch Penélope Cruz schrieben zahlreiche Autogramme. Danach folgte der übliche Ablauf auf dem Roten Teppich: dem Blitzlichtgewitter der Fotographen folgte ein Interviewmarathon für in- und ausländische Fersehanstalten. Auch einige Jury-Mitglieder zeigten sich bei der Premiere - unter anderem rückten Diane Kruger und Shu Qi in den Fokus. Und auch Goldie Hawn beehrte die Berlinale ein weiteres Mal mit ihrer Anwesenheit.

“Elegy” erzählt die Geschichte eines charmanten Professors, gespielt von Sir Ben Kingsley, der sich in eine seiner Studentinnen verliebt, die von Penélope Cruz verkörpert wird. Aus Liebe wird aber schnell Eifersucht, die nicht nur ihn langsam auffrisst, sondern auch die romantische Beziehung zerstört. Consula trennt sich schließlich von ihm. Zwei Jahre später kehrt sie jedoch zurück und äußert einen außergewöhnlichen Wunsch…

Wie ein Unfall alte Familienkonflikte neu entfachen lässt - Fireflies in the Garden

geschrieben am 11. Februar 2008 von Haiko in Berlinale 2008

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Und die dritte Weltpremiere des heutigen Tages kommt ebenfalls aus den USA, er läuft jedoch außer der Konkurrenz: “Firefiels in the Garden”. Die Geschichte einer Familie, die an aufgestauten Kränkungen, Enttäuschungen und wechselseitigen Vorwürfen zu zerbrechen droht, in­sze­nierte Regisseur Dennis Lee nach einem eigenen Drehbuch, dem autobiografische Erlebnisse zugrunde liegen. Gemeinam mit seinem Produzenten Marco Weber und seinen Schauspielern Hayden Panettiere, Willem Dafoe und Ryan Reynolds präsentierte er den Streifen auf der diesjährigen Berlinale persönlich.

Dennis Lee fand besonders die Vater-Sohn-Beziehung, dieses authentische Verhältnis in der Story spannend. 1999 verstarb seine Mutter und mit diesem Film ehrt er ihr Andenken. In einigen Situationen der Geschichte konnte sich Willem Dafoe, der den Vater der Familie spielte, sogar selber mit der Filmfigur identifizieren. Marco Weber, einer der Produzenten, gefiel vor allem an dem Script, dass es keinen stillen Film hervorbringen würde. Natürlich mochte er auch das Vater-Sohn-Gespann genauso wie die Ehrlichkeit in der Geschichte. Hayden Panettiere, die durch die Serie “Heroes” weltweit bekannt wurde, ist froh so priviligiert zu sein, mit solchen Stars arbeiten zu dürfen. Und was hielt die Familie vom Regisseur von dessen Script? Seine Schwester arbeitete ebenfalls an dem Film mit und sein Vater las das Script, doch bis jetzt hat noch keiner von ihnen den Film gesehen. Und wie konnte Dennis Lee, der zuvor nur einen beeindruckenen Kurzfilm abliefern konnte, die Stars überzeugen, lenken und leiten? Eine ganz klare Antwort kam vom Produzenten: “Das wunderbare Script hatte die Schauspieler überzeugt.” Hayden Panettiere gab hinzu: “Letztendlich sieht man gar nicht, dass dies sein erster richtiger Film ist.”

Das es des öfteren in “Fireflies in the Garden” regnet passt punktgenau zur Atmosphäre des Films und erklärt diese gewisse Aussichtslosigkeit. Konventionell gedreht, plätschert die Story leider etwas dahin. Man nimmt Anteil an der Geschichte, wird aber nicht wirklich von ihr mitgerissen … doch Hut ab für das Werk eines Regiedebütanten!

Über die Liebe, das Leben und den Tod - Elegy

geschrieben am 10. Februar 2008 von Haiko in Berlinale 2008

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Aber zunächst zum ersten Film des Tages: “The Song of Sparrows” erzählt von einem Mann, der seine Arbeit auf einer Straußenfarm verliert, in die Stadt reist und sich dort durch das Stadtleben verändert. Der iranische Wettbewerbsbeitrag war gleichzeitig eine Weltpremiere, zu der der Regisseur Majid Majidi gemeinsam mit seinem Schauspieler Reza Najie an die Spree kam und um 16 Uhr über den Roten Teppich vor dem Berlinale Palast lief.

Eine weitere Weltpremiere kam aus den USA: “Elegy” von Isabel Coixet erzählt von dem charmanten Professor, gespielt von Sir Ben Kingsley, der sich in eine seiner Studentinnen verliebt, gemimt von Penélope Cruz. Als die Studentin mit ihrer schwarzen Mähne den Klassenraum betritt, ist er sofort hin und weg, doch schnell muss er feststellen, dass sie mehr als nur ein Objekt seiner Begierde ist. Aus Liebe wird Eifersucht, die nicht nur ihn langsam auffrisst, sondern auch die romantische Beziehung zerstört und Consula von sich immer weiter weg treibt, bis sie ihn letztendlich ganz verlässt. Zwei Jahre später kommt sie zurück, mit einem außergewöhnlichen Wunsch…

Die spanische Regisseurin Isabel Coixet stand gemeinsam mit ihrem Produzenten Garry Lucchesi und dem Darsteller-Paar Penélope Cruz und Sir Ben Kingsley auf der Pressekonferenz Rede und Antwort. Der Film basiert auf einem Buch von Philip Roth, von dem die Regisseurin ein großer Fan ist. Vor einigen Jahren las sie das Buch und dachte sich bereits damals, das dies ein guter Stoff zum verfilmen wäre. Umso mehr war sie überrascht, als sie Jahre später das Script zugessandt bekam und gefragt wurde, ob sie bei dem Film die Regie übernehmen wollen würde. Als sie dann noch erfuhr, dass Cruz und Kingsley zugesagt hätten, war sie durchweg begeistert von dem Projekt.

Sir Ben wollte nicht zu viele Ebenen in seiner Figur haben und er wollte ihn in seiner Sprache spielen. Penélope sagte, dass sie sich schon vor einigen Jahren mit den Produzenten traf. Das Buch kannte sie bereits und konnte sich so lange Gedanken über ihre Figur machen. Für sie war es eine erfreuliche Arbeit mit Sir Ben.

Sir Ben wurde gefragt, ob er Parallelen aus seinem Leben zum Leben seiner Figur ziehen könne. Er sagte, dass sich zwar das Aussehen ändern kann, tief im Inneren man aber immer derselbe bleiben würde. “Jedes Mal, wenn ich einen neuen Job annehme, bin ich so nervös wie damals, als ich noch 20 war.” Und wie geht Penélope mit dem Älterwerden um? “Ich schaue immer nach vorn. Das ist der einzig richtige Weg.”

Der Film über Liebe, das Leben und den Tod und über die Herausforderungen des Lebens und des Krankwerdens ist liebevoll gemacht, mit einem netten Sinn für Humor. Die überraschende Wendung zum Schluß wirkt jedoch zu konstruiert. Alles in allem waren nur die Gespräche zwischen den beiden Film-Freunden Ben Kingsley und Dennis Hopper echt sehenswert, der Rest war nur Mittelmaß, wie bei so vielen Filmen der diesjährigen Berlinale … leider … aber es kommen ja noch einige!