Berlinale 2008

Freitag, 19.02. – Tag 9

geschrieben am 18. February 2010 von Haiko in 60. Berlinale, Allgemein

Wie die Zeit vergeht … heute ist auch schon wieder der letzte richtige Wettbewerbsbeitrag, bevor am Samstag die Berlinale mit dem Abschlussfilm “About Her Brother” und der Preisverleihung enden wird. Am Sonntag findet dann noch der Berlinale Kinotag statt. Aber bleiben wir erstmal noch beim Freitag, an dem der dänische Wettbewerbsbeitrag “Eine Familie”, die us-amerikanische und britische Koproduktion “The Killer Inside Me” und der französische Beitrag “Mammuth” läuft. Gleich werde ich wieder alle Filme im Einzelnen vorstellen.

Roehlers umstrittener Film über die Entstehung des Nazi-Films Jud Süss

geschrieben am 18. February 2010 von Haiko in 60. Berlinale, Allgemein, Pressekonferenz
Jud Süss - Film ohne Gewissen Kultregisseur Oskar Roehler wagte sich an ein schwieriges Thema und versuchte teils mit zeitgetreuen und teils mit fiktiven Elementen die Entstehungsgeschichte des wohl berühmtesten Nazi-Hetzfilms “Jud Süss” zu erzählen. Heute stellte er gemeinsam mit seinem Drehbuchautor Klaus Richter und seinen Hauptdarstellern Moritz BleibtreuTobias Moretti, Martina Gedeck und Justus von Dohnanyi den Film vor, der als deutsch-österreichische Koproduktion im Wettbewerb läuft.

Das Original wurde damals auf Wunsch Adolf Hitlers in Auftrag gegeben. “Hitler war der Meinung, dass es nur Unterhaltungsfilme gab und keine NS-Filme”, so Drehbuchautor Klaus Richter, der die erste Fassung zu Roehlers “Jud Süss – Film ohne Gewissen” bereits vor acht Jahren schrieb. Damals suchte man den perfekten Schauspieler für den Juden und glaubt ihn in den Schauspieler Ferdinand Marian gefunden zu haben. Roehlers Film setzt genau bei dieser Suche ein und bei den Gewissenskonflikten, die dieser hatte die Rolle anzunehmen. “Als ich das Drehbuch zum ersten mal las, dachte ich, ich lese etwas aus der jetzigen Zeit. Das sind eigentlich genau die Probleme, die wir Schauspieler haben,” sagte Moritz Bleibtreu, der den Goebbels mimte. Heutzutage müssen Schauspieler Kompromisse eingehen. Man kann nur das spielen, was einem vorgelegt wird und muss schauen, ob die Rolle zu einem passt. Gewissensbisse den Goebbels zu spielen hatte er aber nicht. “Gewissermassen war das ja alles Satire. Wenn man sich die Leute heute anschaut, dann kann man gar nicht verstehen, dass damals Millionen Leute ihnen glaubten”, sagte er und betitelte Goebbels zudem als Clown. “Clown und Massenmörder,” berichtigte ihn ein Journalist zugleich.

Das der Film Fakten verdreht und einige Sachen auslässt, sehen die Filmemacher als ganz normal an. “Wir machen ja hier Spielfilme und wenn Spielfilme nicht mehr fiktiv sein dürfen, dann wird es ja irgendwann langweilig,” wollte Moritz auf dem Punkt bringen. “Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, dachte ich, ich lese etwas über die heutige Branche, über die Selbstzufriedenheit der Akteuere, wie sie sich selber zelebrieren und feiern,” sagte Oskar Roehler.

Fakt ist jedoch, dass Oskar Roehler sich mit diesem Film auf unsicheres Terrain gewagt hat und sich den kritischen Äußerungen stellen und vor allem … sich die Buh-Rufe nach der Pressevorführung gefallen lassen muss. Aber seht lieber selbst, denn der Film soll noch dieses Jahr in den Kinos anlaufen.

Der Ghostwriter – Kritik

geschrieben am 18. February 2010 von Haiko in 60. Berlinale, Film, Kritik

Der Ghostwriter (The Ghost Writer) Mit Spannung erwartete man auf der 60. Berlinale die Wettbewerbspräsentation des neuesten Werkes von Oscar-Preisträger Roman Polanski, sollte “Der Ghostwriter” über einen ehemaligen Staatschef und dem Verfasser seiner Memoiren doch nach zwanzig Jahren wieder einmal der erste zeitgenössische Thriller für ihn werden. Die zentrale Figur des früheren Premierministers Adam Lang könnte man als nur leicht fiktionalisierte Person aus dem wahren Leben halten. Die Analogien zu Tony Blair, der von 1997 bis 2007 als Vorsitzender der Labour Partei Premierminister von Großbritannien war, sind nicht nur verblüffend, sondern liefern auch einen brisanten zeitgemäßen Filmstoff. Schlagzeilen im Film wie Großbritanniens Beteiligung und die Unterstützung der USA im Irak-Feldzug sind nahezu unmissverständlich, dennoch entstand die Idee für diese Konstellation bereits15 Jahre bevor Tony Blair an die Macht kam. “The Ghost”, so der passende Titel der Romanvorlage von Robert Harris, bezieht sich sowohl auf den Profi-Ghostwriter, der von Ewan McGregor verkörpert wird, seinem Vorgänger, der auf mysteriöse Weise umgekommen ist, sowohl aber auch auf Adam Lang, der ein Gespenst seines früheren Selbst ist.

Die Erzählweise ist angelehnt an Klassikern des Suspense-Großmeisters Alfred Hitchcock. Wir folgen dem Protagonisten, wie er einen Job annimmt und in eine für ihn entfernte Welt eindringt, in der sich alle Geschehnisse nach perfekt scheinender Logik abspielen. Je tiefer er in die Geschichte involviert wird, desto verrückter wird seine Situation. Wir beobachten durch seinen Blickwinkel wie Personen der Macht Macht verlieren und wie sie sich an ihr neues Leben gewöhnen müssen. Die Reise führt ihn auf eine Insel an der Ostküste, ins Exil des Premiers, wo das abgeriegelte, moderne und sterile Haus den Ex-Politiker zwar vom regnerisch kalten Wetter, jedoch aber nicht von den Kritikerstimmen aus dem Heimatland abschotten kann. Er wird wegen Kriegsverbrechen angeklagt.

Die Essenz des Films lässt sich nicht auf eine einzelne wahre Persönlichkeit eingrenzen. Vielmehr dienen das Spektrum an Beispielen der Verzwickung der Strukturen der Macht und der Aufbau der Politik fern der Öffentlichkeit als Sprungbrett in eine stimmungsvolle Atmosphäre von atemberaubenden Verrat, Bedrohungen und Doppeldeutungen. Die politischen Dimensionen in all ihrem Wahnsinn sind lediglich Taktgeber für unseren Protagonisten und navigieren ihn mit seinem liebenswerten Charme und Sinn für Humor durch die Geschichte. Spannungsgeladene Szenarien entstehen durch das Verhältnis zwischen der Berufsgattin getarnt in der Assistentin des Politikers, die ihren Chef mit einer Loyalität beschützt, die über die normalen Pflichten hinausgeht und der tatsächlichen Ehefrau, die mit dem Ghostwriter etwas Amouröses eingeht. Die Aufgabe des Ghostwriters das Manuskript umzuschreiben stellt ihn nicht nur vor die Möglichkeit, in dem vorhandenen Material einen Hinweis über den plötzlichen Tod seines Vorgängers zu finden sondern auch Licht ins Dunkle zu bringen.

Trotz vielen gängigen Stilmitteln des Genres lässt Polanski in jeder Szene so viel außen vor, dass man seine Indizien immer wieder aufs Neue sortieren muss. Gezielt steuert er einem langsam, aber keineswegs langatmig in eine Falle, damit man am Ende den Höhepunkt genauso intensiv erleben kann wie die Protagonisten. Ewan McGregor geht in seiner Rolle als Sympathieträger völlig auf und wird durchschnittlich von den beiden Frauenparts von Kim Cattrall und Olivia Williams unterstützt. Pierce Brosnan kann sich in seinem fragwürdigen Charakter jedoch nicht großartig entfalten. Untermalt wurde das Ganze mit einem grandiosen Soundtrack von Alexandre Desplat.

Fazit: Polanski liefert einen meisterhaft inszenierten mit Spannung geladenen Thriller über Macht und Korruption und stellt in den Vordergrund, dass Politiker Nutznießer wie Opfer des Magnetismus der Macht sein können. Der düstere Touch gerade am Ende der Geschichte, der zur großen Erkenntnis führt, zeigt, das politische Karrieren oftmals auch etwas von Tragödien haben.

5 von 6 Sternen

Die heutigen Termine auf einem Blick

geschrieben am 17. February 2010 von Haiko in 60. Berlinale, Allgemein

Wettbewerb
9.00 Press screening On the Path
10.40 Photo Call / Press Centre
10.50 Press Conference

12.00 Press screening Jud Süß – Film ohne Gewissen
13.55 Photo Call / Press Centre
14.05 Press Conference

16.00 Press screening Puzzle
17.50 Photo Call / Press Centre
18.00 Press Conference

16.30 Premiere On the Path
19.30 Premiere Jud Süß – Film ohne Gewissen
22.30 Premiere Puzzle

Puzzle – Argentinien/Frankreich

geschrieben am 17. February 2010 von Haiko in 60. Berlinale, Allgemein, Film

Zu ihrem 50. Geburtstag bekommt Maria (María Onetto) von ihrer Familie ein Puzzle geschenkt. Ihre Freude ist groß, besonders, weil Maria eine erstaunliche Entdeckung macht: Puzzeln bringt nicht nur Spaß, im Puzzeln ist die geduldige Hausfrau einfach spitze. Begeistert von ihrer neuen Leidenschaft geht sie gleich in den Laden, in dem ihr Geschenk gekauft wurde, um Nachschub zu holen. Dort stößt sie auf einen Anschlag an der Pinnwand: Partner für den Puzzlewettbewerb gesucht. Maria nimmt ihren ganzen Mut zusammen, ignoriert alle familiären Vorbehalte und Ängste und meldet sich.

Der Schreiber des Zettels ist ein älterer Junggeselle, der in einer eindrucksvollen Stadtvilla lebt und von Marias anarchischem Puzzlestil hingerissen ist. Ihr gemeinsames Ziel wird der Puzzle World Cup in Deutschland. Doch vorher müssen Maria und ihr Partner noch die örtliche Ausscheidung überstehen. Gefesselt von ihrem neuen Hobby und unwiderstehlich angezogen von der fremden Welt der Reichen, flunkert Maria ihre Familie an, um ungestört trainieren zu können. Sie büffelt die Regeln, taucht immer tiefer in die Welt der Puzzles ein und unternimmt mit ihrem Mitstreiter alles, um den gemeinsamen Traum wahrzumachen und das Puzzle-Championat nach Argentinien zu holen.

Marias Familie ahnt nichts von ihrer neuen Leidenschaft, mit der weder Mann noch Söhne etwas anfangen können. Das Puzzle wird zur ernsten Belastungsprobe, und Maria muss sich entscheiden, was sie den Jungs zumuten will.

Jud Süss – Film ohne Gewissen – Österreich/Deutschland

geschrieben am 17. February 2010 von Haiko in 60. Berlinale, Allgemein, Film

Ferdinand Marian (Tobias Moretti) war der Schauspieler, der 1940 die Titelrolle in Veit Harlans NS-Propagandafilm Jud Süss übernahm, in der er brillierte und an der er zerbrach.

Schon während der Dreharbeiten spitzt sich die Situation in Marians Umfeld zu. Seine Frau beginnt sich von ihm abzuwenden, weil sie nicht erträgt, wie ihr Mann sich verändert. Der nationale und internationale Erfolg von “Jud Süss”, der bei der Premiere während des unter Mussolini ins Leben gerufenen internationalen Filmfestivals von Venedig das Publikum begeistert, ist da nur ein kurzes, rauschhaftes Intermezzo. Zunehmend durchschaut der neue NS-Superstar die gesellschaftliche Wirkung seines Films und den verbrecherischen Charakter des Regimes. Nicht nur, weil viele seiner Freunde emigrieren mussten, sondern auch, weil die Marians den jüdischen SchauspielerAdolf Wilhelm Deutscher (Heribert Sasse) in ihrem Gartenhaus verstecken, bis ein Dienstmädchen Deutscher an ihren SS-Freund verrät.

Marians Alkoholexzesse und Seitensprünge sind verzweifelte Ablenkungsversuche – doch sie erregen auch das Missfallen des Propagandaministers. Um ihn unter Kontrolle zu bringen, lässtGoebbels (Moritz Bleibtreu) Marians Frau Anna (Martina Gedeck) deportieren. Allerdings beschleunigt das nur den Niedergang des Schauspielers, für den auch seine tschechische Geliebte Vlasta (Erika Marozsán) keinen Halt mehr bedeutet. Vom größten Erfolgsfilm seines Lebens will er nichts mehr wissen.

Nach Kriegsende erlebt Marian, wie sich viele der anderen am Film beteiligten Künstler reinwaschen, allen voran der Regisseur und Nazipropagandist Veit Harlan (Justus von Dohnanyi). Bei einem Sommerfest in München begegnet er dem KZ-Überlebenden Deutscher wieder, der ihm von Annas Tod berichtet. Als er auch noch mit ansehen muss, wie Vlasta mit einem US-Soldaten intim wird, bricht er zusammen. Er setzt sich ins Auto für eine Fahrt ohne Wiederkehr.Ferdinand Marian (Tobias Moretti) war der Schauspieler, der 1940 die Titelrolle in Veit Harlans NS-Propagandafilm Jud Süss übernahm, in der er brillierte und an der er zerbrach.

Schon während der Dreharbeiten spitzt sich die Situation in Marians Umfeld zu. Seine Frau beginnt sich von ihm abzuwenden, weil sie nicht erträgt, wie ihr Mann sich verändert. Der nationale und internationale Erfolg von “Jud Süss”, der bei der Premiere während des unter Mussolini ins Leben gerufenen internationalen Filmfestivals von Venedig das Publikum begeistert, ist da nur ein kurzes, rauschhaftes Intermezzo. Zunehmend durchschaut der neue NS-Superstar die gesellschaftliche Wirkung seines Films und den verbrecherischen Charakter des Regimes. Nicht nur, weil viele seiner Freunde emigrieren mussten, sondern auch, weil die Marians den jüdischen Schauspieler Adolf Wilhelm Deutscher (Heribert Sasse) in ihrem Gartenhaus verstecken, bis ein Dienstmädchen Deutscher an ihren SS-Freund verrät.

Marians Alkoholexzesse und Seitensprünge sind verzweifelte Ablenkungsversuche – doch sie erregen auch das Missfallen des Propagandaministers. Um ihn unter Kontrolle zu bringen, lässt Goebbels (Moritz Bleibtreu) Marians Frau Anna (Martina Gedeck) deportieren. Allerdings beschleunigt das nur den Niedergang des Schauspielers, für den auch seine tschechische Geliebte Vlasta (Erika Marozsán) keinen Halt mehr bedeutet. Vom größten Erfolgsfilm seines Lebens will er nichts mehr wissen.

Nach Kriegsende erlebt Marian, wie sich viele der anderen am Film beteiligten Künstler reinwaschen, allen voran der Regisseur und Nazipropagandist Veit Harlan (Justus von Dohnanyi). Bei einem Sommerfest in München begegnet er dem KZ-Überlebenden Deutscher wieder, der ihm von Annas Tod berichtet. Als er auch noch mit ansehen muss, wie Vlasta mit einem US-Soldaten intim wird, bricht er zusammen. Er setzt sich ins Auto für eine Fahrt ohne Wiederkehr.

On the Path

geschrieben am 17. February 2010 von Haiko in 60. Berlinale, Allgemein, Film

Bosnien und Herzegowina/Österreich/Deustchland/Kroatien

Luna (Zrinka Cvitesic) und Amar (Leon Lucev) sind ein Paar. Ihre Beziehung ist schweren Belastungen unterworfen. Zunächst verliert Amar seine Anstellung, weil er bei der Arbeit betrunken war. Luna macht sich daraufhin große Sorgen, ob ihr ohnehin schon fragiler Traum, gemeinsam mit Amar ein Kind zu haben, sich noch realisieren lässt. Ihre Befürchtungen, die gemeinsame Zukunft betreffend, nehmen zu, als Amar einen gutbezahlten Job in einer muslimischen Gemeinde annimmt, die Stunden von ihrem gemeinsamen Wohnort entfernt ist.

Erst nach einer beträchtlichen Zeit, in der es zwischen beiden keinen Kontakt gegeben hat, ist es Luna erlaubt, Amar in dieser Gemeinde konservativer Wahhabiten, die an einem idyllischen See gelegen ist, zu besuchen. Sie stellt fest, dass die Männer und die verschleierten Frauen dort strikt voneinander getrennt und unter strenger Überwachung leben. Luna bittet Amar, zu ihr nach Hause zurückzukehren, doch Amar beharrt darauf, dass das Leben in der isolierten Gemeinschaft der Gläubigen ihm Frieden bringt und ihn vom Trinken abhält.

Als er einige Wochen später nach Hause kommt, stellt Luna fest, dass sich Amars Verhältnis zur Religion tiefgreifend verändert hat. Amar behauptet zwar, dass es ihm bloß darum ginge, ein besserer Mensch zu werden, doch Luna fällt es enorm schwer, ihm dabei zu folgen. Sie beginnt all das, woran sie bislang geglaubt hat, in Frage zu stellen – sogar ihren Wunsch nach einem Kind. Als dann auch noch die Wunden ihrer vom Krieg bestimmten Vergangenheit wieder aufbrechen, stellt Luna sich die Frage, ob Liebe wirklich ausreicht, sie und Amar zusammenzuhalten und ihnen einen gemeinsamen Weg in eine glückliche Zukunft zu weisen.

Donnerstag, 18.02. – Tag 8

geschrieben am 17. February 2010 von Haiko in 60. Berlinale, Film

Heute läuft die deutsch-österreichische Koproduktion “Jud Süss – Film ohne Gewissen” im Wettbewerb, zu dem der bosnische Bitrag “On the Path” und der Film “Puzzle”. Und gleich werde ich wieder alle Filme im Einzelnen vorstellen.

Jackie Chan stellte Little Big Soldier vor

geschrieben am 17. February 2010 von Haiko in 60. Berlinale, Allgemein, Film, Roter Teppich
Jackie Chan Euphorisch wurde der chinesische Schauspieler Jackie Chan bei der Europa-Premiere seines Films “Da bing xiao jiang” (“Little Big Soldier”) gefeiert, der in der Sektion Berlinale Special während der 60. Berlinale lief.

Nicht nur im Friedrichstadtpalast sang Jackie Chan den Zuschauern ein Ständchen, sondern auch schon am Tage zuvor gab er den Vertretern der Presse eine Probe seiner Gesangskünste. Aber in seinem neuesten Film wird nicht nur gesungen, natürlich auch gekämpft, aber eher für den Frieden. “Das ist ein Film, der für die ganze Welt gemacht wurde,” so der Regisseur Sheng Ding.

Vielen Dank an den Fotografen Thorsten Meiritz, der freundlicherweise die Fotos zur Verfügung stellte.

Hier der Inhalt:
Der Film erzählt die Geschichte eines Soldaten und eines Generals.

Der Film spielt in jener herrscherlosen Zeit, die die Geschichtsschreibung die “Zeit der Streitenden Reiche” (475 v. Chr. − 221 v. Chr.) nennt. Die Periode war politisch instabil, gleichwohl bewirkte die Konkurrenz zwischen den Reichen eine Blüte der Philosophie, der Literatur, der Künste und der Technologie. Mehr als zwei Dutzend Fürstentümer rangen miteinander um die Vorherrschaft. Am Ende ging aus diesem Kampf das Königreich von Qin als stärkster Staat hervor und legte damit den Grundstein des chinesischen Kaiserreichs.

Im Anschluss an eine der vielen Schlachten spielt die Handlung des Films. Ein alter Soldat (Jackie Chan) des Fürstentums Liang hat einen jungen General (Lee-Hom Wang) gefangen genommen, der für die Fürsten von Wei gefochten hat. Ohne Glück: Fast alle Soldaten sind in der Schlacht gefallen. Der Soldat will ihn nun in seine weitentfernte Heimat zurückbringen und die dafür übliche Belohnung kassieren. Mit ihrer Hilfe bräuchte er keinen weiteren Kriegsdienst zu leisten, sondern könnte sich wieder als Bauer in seiner Heimat niederlassen.

Die Reise dieser beiden von Herkunft und Charakter so unterschiedlichen Männer entwickelt sich zu einem Abenteuer. Unterwegs bekommen sie es mit Verfolgern, Entführern, Schwindlern und allen möglichen Schwierigkeiten zu tun. Nicht zuletzt werden sie immer wieder mit den desaströsen Folgen des Krieges konfrontiert.

Am Ende ihrer langen Reise bringt der Soldat den General tatsächlich nach Liang. Doch inzwischen wurde das Fürstentum vom stärkeren Qin okkupiert.

Lesbische Familien-Komödie überzeugt auf ganzer Linie

geschrieben am 17. February 2010 von Haiko in 60. Berlinale, Film, Pressekonferenz

The Kids Are All Right Endlich! Heute lief der erste Film, der mich voll und ganz überzeugt hat und wem wundert es, es ist eine Hochglanz-Independentproduktion. “The Kids Are All Right” heißt der us-armerikanisch-französische Wettbewerbsbeitrag, den die Regisseurin Lisa Cholodenko gemeinsam mit ihrer Hauptdarstellerin Julianne Moore heute vorstellte. Darin spielt Moore die Ehefrau von Anette Bening. Beide haben ein Kind von ein und denselben Samenspender. Nun, wo Tochter Joni (Mia Wasikowska) 18 Jahre alt geworden ist, drängt sie ihr jüngerer Bruder Laser (Josh Hutcherson) aus Neugierde dazu, bei der Samenspenderbank anzurufen und herauszufinden, wer ihr leiblicher Vater ist. Zunächst sträubt sie sich dagegen, doch dann stehen die beiden auch schon vor Pauls (Mark Ruffalo) Restaurant. Natürlich können die beiden das Treffen nicht lange geheim halten und schon wird Paul zum Essen in das traute Heim der Familie eingeladen. Paul beauftragt Jules (Julianne Moore) seinen Garten neu zu bepflanzen. Als beide eine Affäre anfangen, droht die ganze Situation ausser Kontrolle zu geraten.

Der Film handelt von einem lesbischen Ehepaar, von dem sich eine in ihrem Beziehungsdasein und in ihrer Familie verloren glaubt. Viele brisante Themen werden angesprochen und Fragen gestellt wie: Was geschieht, wenn man lange verheiratet ist und Kinder hat? “Diese Geschichten kennt man aus dem Leben, sieht man aber irgendwie nie in Filmen”, stellte Julianne Moore fest. Die Regisseurin Lisa Cholodenko schrieb gemeinsam mit Stuart Blumberg fünf Jahre an dem Drehbuch und scheinbar war es nicht einfach die Finanzierung für den Film zu bekommen: “Es gab viele Interessenten und auch viele Gespräche, aber niemand war letztendlich bereit Geld für dieses Projekt auszugeben bis wir schließlich unabhängige Finanziers gefunden haben,” erinnerte sich die 45-jährige Regisseurin. Julianne Moore wollte schon immer mit der Regisseurin zusammen arbeiten, mit der sie auch befreundet ist. Alle sechs Monate hat Julianne bei Lisa nachgefragt, wie weit sie mit dem Projekt sei und wann sie endlich zu drehen anfangen könnten. “In den USA gibt es immer wieder Leute, die dich fragen, was dauert daran so lange, kannst du das nicht abkürzen. Aber am Ende macht es das Regieführen für Dich leichter”, erzählte Lisa Cholodenko.

“Die Leute kommen nicht in meine Filme, um mich zu sehen, sie wollen sich selber wieder erkennen”, sagte Moore. Für sie hat Liebe viel mit Zeit zu tun. Die Zeit macht am Ende erst die Familie aus oder eine Ehe. Aber wie sieht der Umgang mit Homosexuellen momentan in den USA aus? “Ich bin nicht sehr politisch. Ich wünscht ich wäre es mehr, aber es gibt viele Aktivitäten momentan, Homosexuelle heiraten. Wir haben den Zeitpunkt zwar nicht geplant, aber das Timing ist ganz gut”, so die Regisseurin.

Das Schöne an dem lesbischen Familienporträt ist das Fehlen des Comig-Out-Wendepunktes in der Geschichte. Lisa Cholodenko setzt voraus, dass homosexuelle Beziehungen normal sind und bastelt daraus eine wunderbare, zutiefst amüsante und ansprechende Geschichte. Absolut gelungen und sehenswert!