Berlinale 2008

Archiv der Kategorie ‘Pressekonferenz‘

Roehlers umstrittener Film über die Entstehung des Nazi-Films Jud Süss

Thursday, den 18. February 2010
Jud Süss - Film ohne Gewissen Kultregisseur Oskar Roehler wagte sich an ein schwieriges Thema und versuchte teils mit zeitgetreuen und teils mit fiktiven Elementen die Entstehungsgeschichte des wohl berühmtesten Nazi-Hetzfilms “Jud Süss” zu erzählen. Heute stellte er gemeinsam mit seinem Drehbuchautor Klaus Richter und seinen Hauptdarstellern Moritz BleibtreuTobias Moretti, Martina Gedeck und Justus von Dohnanyi den Film vor, der als deutsch-österreichische Koproduktion im Wettbewerb läuft.

Das Original wurde damals auf Wunsch Adolf Hitlers in Auftrag gegeben. “Hitler war der Meinung, dass es nur Unterhaltungsfilme gab und keine NS-Filme”, so Drehbuchautor Klaus Richter, der die erste Fassung zu Roehlers “Jud Süss – Film ohne Gewissen” bereits vor acht Jahren schrieb. Damals suchte man den perfekten Schauspieler für den Juden und glaubt ihn in den Schauspieler Ferdinand Marian gefunden zu haben. Roehlers Film setzt genau bei dieser Suche ein und bei den Gewissenskonflikten, die dieser hatte die Rolle anzunehmen. “Als ich das Drehbuch zum ersten mal las, dachte ich, ich lese etwas aus der jetzigen Zeit. Das sind eigentlich genau die Probleme, die wir Schauspieler haben,” sagte Moritz Bleibtreu, der den Goebbels mimte. Heutzutage müssen Schauspieler Kompromisse eingehen. Man kann nur das spielen, was einem vorgelegt wird und muss schauen, ob die Rolle zu einem passt. Gewissensbisse den Goebbels zu spielen hatte er aber nicht. “Gewissermassen war das ja alles Satire. Wenn man sich die Leute heute anschaut, dann kann man gar nicht verstehen, dass damals Millionen Leute ihnen glaubten”, sagte er und betitelte Goebbels zudem als Clown. “Clown und Massenmörder,” berichtigte ihn ein Journalist zugleich.

Das der Film Fakten verdreht und einige Sachen auslässt, sehen die Filmemacher als ganz normal an. “Wir machen ja hier Spielfilme und wenn Spielfilme nicht mehr fiktiv sein dürfen, dann wird es ja irgendwann langweilig,” wollte Moritz auf dem Punkt bringen. “Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, dachte ich, ich lese etwas über die heutige Branche, über die Selbstzufriedenheit der Akteuere, wie sie sich selber zelebrieren und feiern,” sagte Oskar Roehler.

Fakt ist jedoch, dass Oskar Roehler sich mit diesem Film auf unsicheres Terrain gewagt hat und sich den kritischen Äußerungen stellen und vor allem … sich die Buh-Rufe nach der Pressevorführung gefallen lassen muss. Aber seht lieber selbst, denn der Film soll noch dieses Jahr in den Kinos anlaufen.

Lesbische Familien-Komödie überzeugt auf ganzer Linie

Wednesday, den 17. February 2010

The Kids Are All Right Endlich! Heute lief der erste Film, der mich voll und ganz überzeugt hat und wem wundert es, es ist eine Hochglanz-Independentproduktion. “The Kids Are All Right” heißt der us-armerikanisch-französische Wettbewerbsbeitrag, den die Regisseurin Lisa Cholodenko gemeinsam mit ihrer Hauptdarstellerin Julianne Moore heute vorstellte. Darin spielt Moore die Ehefrau von Anette Bening. Beide haben ein Kind von ein und denselben Samenspender. Nun, wo Tochter Joni (Mia Wasikowska) 18 Jahre alt geworden ist, drängt sie ihr jüngerer Bruder Laser (Josh Hutcherson) aus Neugierde dazu, bei der Samenspenderbank anzurufen und herauszufinden, wer ihr leiblicher Vater ist. Zunächst sträubt sie sich dagegen, doch dann stehen die beiden auch schon vor Pauls (Mark Ruffalo) Restaurant. Natürlich können die beiden das Treffen nicht lange geheim halten und schon wird Paul zum Essen in das traute Heim der Familie eingeladen. Paul beauftragt Jules (Julianne Moore) seinen Garten neu zu bepflanzen. Als beide eine Affäre anfangen, droht die ganze Situation ausser Kontrolle zu geraten.

Der Film handelt von einem lesbischen Ehepaar, von dem sich eine in ihrem Beziehungsdasein und in ihrer Familie verloren glaubt. Viele brisante Themen werden angesprochen und Fragen gestellt wie: Was geschieht, wenn man lange verheiratet ist und Kinder hat? “Diese Geschichten kennt man aus dem Leben, sieht man aber irgendwie nie in Filmen”, stellte Julianne Moore fest. Die Regisseurin Lisa Cholodenko schrieb gemeinsam mit Stuart Blumberg fünf Jahre an dem Drehbuch und scheinbar war es nicht einfach die Finanzierung für den Film zu bekommen: “Es gab viele Interessenten und auch viele Gespräche, aber niemand war letztendlich bereit Geld für dieses Projekt auszugeben bis wir schließlich unabhängige Finanziers gefunden haben,” erinnerte sich die 45-jährige Regisseurin. Julianne Moore wollte schon immer mit der Regisseurin zusammen arbeiten, mit der sie auch befreundet ist. Alle sechs Monate hat Julianne bei Lisa nachgefragt, wie weit sie mit dem Projekt sei und wann sie endlich zu drehen anfangen könnten. “In den USA gibt es immer wieder Leute, die dich fragen, was dauert daran so lange, kannst du das nicht abkürzen. Aber am Ende macht es das Regieführen für Dich leichter”, erzählte Lisa Cholodenko.

“Die Leute kommen nicht in meine Filme, um mich zu sehen, sie wollen sich selber wieder erkennen”, sagte Moore. Für sie hat Liebe viel mit Zeit zu tun. Die Zeit macht am Ende erst die Familie aus oder eine Ehe. Aber wie sieht der Umgang mit Homosexuellen momentan in den USA aus? “Ich bin nicht sehr politisch. Ich wünscht ich wäre es mehr, aber es gibt viele Aktivitäten momentan, Homosexuelle heiraten. Wir haben den Zeitpunkt zwar nicht geplant, aber das Timing ist ganz gut”, so die Regisseurin.

Das Schöne an dem lesbischen Familienporträt ist das Fehlen des Comig-Out-Wendepunktes in der Geschichte. Lisa Cholodenko setzt voraus, dass homosexuelle Beziehungen normal sind und bastelt daraus eine wunderbare, zutiefst amüsante und ansprechende Geschichte. Absolut gelungen und sehenswert!

Vier starke Frauen ergeben schnell einen guten Film – Please Give

Wednesday, den 17. February 2010

Please Give Catherine Keener kehrt an die Spree zurück. Nach dem sie 2005 “Capote” im Wettbewerb vorstellte, kam sie nun gemeinsam mit ihren Schauspielkolleginnen Amanda Peet, Rebecca Hall und ihrer Regisseurin Nicole Holofcener und stellte den US-amerikanischen Beitrag “Please Give” vor.

Kate (Catherine Kenner) und Alex (Oliver Platt) sind ein Paar, dass in Manhattan einen Möbelladen betreibt und sich auf Werte aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts spezialisiert hat. Nachschub bekommen sie von den Angehörigen verstorbener Personen. Das Apartment ihrer uralten Nachbarin würden sie gerne kaufen, die Wände rausreißen und ihr Zuhause vergrößern. Sie können es gar nicht abwarten, dass der unhöflichen Dame das zeitliche segnet, doch dann lernen sie die beiden Enkeltöchter kennen. Alex fängt mit Mary (Amanda Peet) eine heimliche Beziehung an. Die andere Enkeltochter, Rebecca (Rebecca Hall), leidet unter der Ignoranz ihrer Schwester der Großmutter gegenüber. Beide Geschichten verbinden sich mit einander und am Ende geht es um Krankheit, Alter, Armut und Tod, doch der Film ist alles andere als traurig. “Ich finde Humor in allen Situationen. So lebe ich. Ich nehme diese Themen schon ernst, bringe aber gerne etwas ein, worüber man lachen kann”, sagte die Regisseurin, die mit Woody Allen-Filmen aufwuchs.

Trotz des hohen Frauenanteils am Set, wäre die Zusammenarbeit perfekt verlaufen, berichteten die vier Damen auf der Pressekonferenz. Oliver Platt konnte leider nicht erscheinen. “Er ist eine sehr lustige Person, aufgeweckt und gut. Und er kommt jedes Mal mit seinem Fahrrad ans Set,” scherzte Keener über ihren Schauspielkollegin. Für sie war “Please Give” bereits die vierte Zusammenarbeit mit der Regisseurin. “Es ist aber jedes Mal anders, weil die Charakteren anders sind”, sagte die gebürtige New Yorker Regisseurin. Und Catherine fügte hinzu: “Jede Freundschaft ändert sich, aber ich finde es großartig mit Freunden zu arbeiten, da man einander vertraut.” Amanda Peet liebt besonders die starken Frauenrollen in Holofceners Filmen. Holofcener dazu: “Ich finde es gibt noch lange nicht genug gute Rollen für Frauen.” Holofcener, die auch das Drehbuch schrieb, wurde laut eigenen Aussagen von ihrem Nachbarn, der das Apartment neben sich kaufen wollte, zu dieser Geschichte inspiriert.

“Please Give” läuft außer Konkurrenz, aber ohnehin arbeiten die Frauen nicht im Filmbusiness um Preise zu ergattern. “Natürlich hoffe ich, dass sich der Film verkauft und dass ich ihn finanziert bekomme und letztendlichen diesen und jeden Schauspieler bekomme, aber auf Preise bin ich nicht aus,” sagte die Regisseurin.

Letztendlich sah man der Low-Budget-Produktion an, dass die Regisseurin frei war und ihr eigenes Konzept fahren konnte. Es machte einfach Spaß in der Großstadtkomödie dem weiblichen Schauspieltrio zu zuschauen.

Stellan Skarsgård als fast liebenswürdiger Ex-Knacki

Monday, den 15. February 2010

A Somewhat Gentle Man (En ganske snill mann) Der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgård dürfte jedem durch seine Auftritte in Hollywood-Filmen wie “Fluch der Karibik 2″, “Mamma Mia!” oder “Illuminati” bekannt sein. Heute stellte er den rein nordischen Wettbewerbsbeitrag “A Somewhat Gentle Man” vor, denn Regisseur Hans Petter Moland stammt aus Norwegen, Drehbuchautor Kim Fupz Aakeson aus Dänemark und Stellan selbst aus Schweden. Unterstellt man den Schweden immer nur Familienfilme zu drehen, so ist dieser etwas anders. Er fokussiert einen Mann, den Ex-Knacki Ulrik. Frisch aus dem Gefängnis entlassen, versucht er durchs Leben zu kommen. Er sucht sich Arbeit und besucht seinen Sohn, doch dann taucht sein alter Gangsterkumpel auf und rät ihm an den Denuzianten, der ihn damals verriet, Rache zu nehmen. Gerade hatte er seinem Leben wieder einen Sinn gegeben, so droht er wieder auf die schiefe Bahn zu geraten.

Das geringe Budget des Films reizte Stellan sehr: “Man fühlt sich mit diesen Bedingungen wie im Himmel. Es gibt zwar kein Geld, dafür sitzt aber nie ein Banker am Set”, lächelte der sympathische 58-Jährige. Man könnte meinen, dass die drei Filmemacher aus den unterschiedlichen nordischen Ländern zunächst einmal auf einen gemeinsamen Nenner kommen mussten, doch Stellan sagte, dass dies gar kein Problem war: “Wir stammen alle aus dem Land der Filmemacher, folglich war es leicht, die anderen zu verstehen.”

Die Geschichte hört sich tragisch an, kommt an vielen Stellen jedoch amüsant rüber. So sieht man zum Beispiel die wahrscheinlich lustigsten und unromantischsten Sexszenen der Filmgeschichte. Alles wirkt ein wenig angelehnt an den Coen-Brüdern, doch Regisseur Hans Petter Moland scherzte: “Ich ließ mich nur von meinem Bruder inspirieren.”

“A Somewhat Gentleman” beweist, dass auch ohne Geld und ohne die großen Namen lustiges Kino gemacht werden kann, wobei die dramatischen und tragischen Elemente auch nicht fehlten. Dänemark, Schweden und Norwegen sind halt echte Filmländer.

Kein Applaus für Greenberg, trotzdem Jubel für Ben Stiller

Sunday, den 14. February 2010

Greenberg Das passiert eigentlich eher selten auf der Berlinale, dass ein Wettbewerbsfilm nach der Pressevorführung überhaupt keinen Applaus bekam. “Greenberg” heisst der besagte Streifen von Noah Baumbach, der durch den Film “Der Tintenfisch und der Wal” dem Publikum durchaus bekannt sein dürfte. Dabei macht der Film eigentlich gar nicht so viel falsch und größere Ambitionen hatte er scheinbar auch nie gehabt. Also warum sollte man diesen Film bestrafen?!

Der Film fokussiert einen Mittvierziger in einer Krise. Roger Greenberg wurde gerade aus einer Nervenheilanstalt entlassen und soll nun auf das Haus seines Bruders aufpassen, da dieser mit seiner Familie verreisen wird. Also zieht er von New York nach Los Angeles, um dort letztendlich nichts zu tun. Doch dann lernt er Florence, die 15 Jahre jüngere Assistentin seines Bruders kennen, die sich prompt in ihn verliebt, was Greenberg gar nicht passt.

Noah Baumbach kam gemeinsam mit seinen Hauptdarstellern Ben Stiller, Greta Gerwig und Rhys Ifans und stellte den Wettbewerbsbeitrag vor, der für die USA ins Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären geht. Eher untypisch reiht sich der Titelheld und die Tragikkomödie in die Filmografie des Komikers Ben Stiller ein. Obwohl auf der Pressekonferenz viel gelacht wird, wird jedem schnell klar, dass Ben Stiller nicht immer den Slapstickkomiker mimt. “Ich kann mich nie an Witze erinnern und erzähle sie auch immer schlecht. Am Ende des Tages bin ich nur ich selbst und hoffe, dass man mich so akzeptiert”, sagte der 44-jährige Schauspieler eher bescheiden, der am Abend auf dem Roten Teppich sich bei den Fans viel Mühe gab, zahlreiche Autogramme schrieb und sich mit ihnen fotografieren ließ, was großen Jubel auslöste.

Noah Baumnach, der gemeinsam mit Jennifer Jason Leigh auch das Drehbuch zu diesem Independentfilm schrieb, lehnt es ab, am Set zu improvisieren. “Ich bekam immer zu hören ‘Was, Du hast Ben Stiller und lässt ihn nicht improvisieren?’ Letztendlich hörte ich Stimmen und schrieb die Lines einfach auf”, so der Regisseur. “Meine Figur war so klar beschrieben, dass ich keine Schwierigkeiten hatte, mich darin einzufinden”, fügte Stiller hinzu. Letztendlich melde sich auch die eher unbekannte aber reinweg sympathische Schauspielern Greta Gerwig zu Wort: “Wenn ich nicht in dem Film mitgespielt hätte, hätte ich ihn mir sicherlich mit meinen Freunden im Kino angeschaut und danach mit ihnen über den Film diskutiert.”

“Greenberg” nimmt zwei Menschen, die im Grunde genommen nur versuchen durchs Leben zu kommen und macht ein ungleiches Paar aus ihnen. Eine unspektakuläre kleine Produktion, die untergehen wird, welche aber nicht nur langweilig war.

Willkommen auf Shutter Island!

Saturday, den 13. February 2010

Shutter Island Seit dem Jahre 2002, in dem sie den Film “Gangs of New York” herausbrachten, arbeiteten Meister-Regisseur Martin Scorsese und Schauspieler Leonardo DiCaprio immer wieder zusammen und haben ihre Freundschaft weiter vertieft. Heute kamen die beiden Freunde gemeinsam mit den Schauspielern Mark Ruffalo, Ben Kingsley und Michelle Williams und stellten ihren neuesten Streifen vor: “Shutter Island”. Die Adaption des gleichnamigen Thrillerbestsellers von Dennis Lehanes spielt im Jahre 1954. Der Zuschauer folgt den U.S. Marshals Teddy Daniel und Chuck Aule, gespielt von Leonardo DiCaprio und Mark Ruffalo, auf die Insel Shutter Island. Dort soll aus dem fluchtsicheren Ashecliffe Hospital ein Mädchen spurlos verschwunden sein. Je intensiver beide ermitteln desto tiefer verstricken sie sich in einer dunklen Verschwörung. Der Verdacht kommt auf, dass dort hässliche medizinische Experimente an den Patienten betrieben werden und es deutet sich an, dass dort nichts so ist wie es scheint.

Martin Scorseses Filme stehen immer dafür neue Geschichten zu erzählen, den Zuschauer jedes Mal neu zu entführen und bei jedem seiner Projekte bemerkt man seine Passion zum Kino und die Huldigung großer vergangener Filmemacher. “Ich nutze die Geschichte des Kinos als Vokabular”, sagte der  Meister-Regisseur. Da ist es nicht verwunderlich, dass die emotionale Psychogeschichte an die guten alten Hollywoodtage und an Filme Hitchcocks “Vertigo” mit James Stewart erinnert. So kommt auch Leonardo DiCaprio daher, versprüht altem Hollywood-Glanz auf der Berlinale und scheint nach dem Wendepunkt mit “Aviator” in seiner Karriere endlich erwachsen geworden zu sein. Scorsese jagd den scheinbar universell einsetzbaren DiCaprio immer wieder aufs Neue durch seine Filme und man glaubt es kaum, DiCaprio setzt von Film zu Film immer noch eins drauf. ”Es ist ein Puzzlespiel mit emotionalem Hintergrund”, so der Kalifornier. Gedreht wurde der Film wie bereits “Departed – Unter Feinden” in Boston und Scorsese, der die Zeit hautnah in New York City miterlebte, den Kalten Krieg und den Umgang der Leute untereinander gab an, dass das Buch von Dennis Lehanes die Zeit perfekt eingefangen hat.

“Nicht jeder bekommt die Möglichkeit mit einem solchen Regisseur wie Martin Scorsese zu arbeiten. Seine Liebe zum Kino ist bemerkenswert und wir vertrauen einander”, sagte DiCaprio. Bereits mit 15 Jahren sah er “Taxi Driver” und überhäufte im gleichen Atemzug den Regisseur mit Komplimenten, die er sogleich auch zurückbekam. “Er hat sich zu einem wunderbaren, außerordentlichen Schauspieler entwickelt”, so der 67-Jährige. Und die nächste Zusammenarbeit wird auch nicht lange auf sich warten lassen, besprechen die beiden doch schon verschiedene neue Projekte. Auch in Deutschland würde DiCaprio liebend gerne einmal drehen, sagte er. Nicht nur auf der Pressekonferenz sondern auch im Film musste er einige Sätze auf deutsch sprechen. “Meine Mutter war sehr zufrieden mit meinem Deutsch. Sie konnte mich verstehen”, scherzte er. Komplimente bekam Scorsese auch von Ben Kingsley: “Scorsese stellt seine Schauspieler zu jeder Zeit an den perfekten Platz.”

“Shutter Island” ist grandioses Psychokino der Extraklasse und bis jetzt der beste Streifen der diesjährigen Berlinale.

My Name is Khan – Bollywood in Hollywood

Saturday, den 13. February 2010

My Name is Khan (Khan) Man munkelt, dass Bollywood-Superstar Shahrukh Khan im August 2009 alleine aufgrund seines muslimischen Names zwei Stunden am Flughafen von Newark festgehalten worden ist und dann mit den Worten “Ich heiße Khan und ich bin kein Terrorist” die Beamten von seiner Unschuld zu überzeugen versuchte. Doch Shahrukh Khan verneinte dieses zugleich. Er sei nie festgehalten worden unterstrich aber, dass es OK ist, wenn man aufgrund seines Aussehens in anderen Staaten der Erde genauer untersucht wird. “Andere Länder, andere Regeln, die man befolgen muss. Ich nehme das nicht persönlich. Das schlimme bei der ganzen Geschichte ist, dass wir alle gegenseitig paranoid sind.”

Gemeinsam mit der Darstellerin Kajol und dem Regisseur Karan Johar stellte er den indischen Wettbewerbsbeitrag “My Name is Khan” vor, der weniger indisch als vielmehr westlich daher kommt. Dezentere Farben, weniger bunte Saris, es gibt keine Tänze, aber gesungen wird trotzdem. Der Film fokussiert den autistischen Rizwan Khan, der sich unsterblich in Mandira verliebt. Die Ereignisse des 11. Septembers 2001 bringen nicht nur ihr Leben völlig durcheinander, sondern versetzen die USA fast an den Abgrund zum Choas.

Doch bei all dem Leid bleibt der Film eine dramatische Liebesgeschichte und zeugt von Begegnungen zwischen der westlichen Welt und der islamischen Kultur. Khan dreht keine Filme um Geld zu machen. Er möchte immer ein Zeichen setzen und die Leute zum Lachen bringen und das ist ihm auf jeden Fall gelungen. Selten habe ich in der Pressevorführung so viele feuchte Augen gesehen wie in “My Name is Khan”. Der Film lebt von Klischees uns ist natürlich naiv und simpel, doch das sollte er auch sein, meldete sich Regisseur Karan Johar auf der Pressekonferenz zu Wort. Dokumente, Bücher und Filme wie “Rain Man” benutze Khan für die Vorbereitungen auf seine Rolle und letztendlich lebte er zwei Monate mit Kindern zusammen, die das Asperger-Syndrom haben. Khan hat jedes mal bei seinen Filmen, die er in Deutschland vorstellte, ein wenig Angst, ob sie richtig verstanden werden. “In Großbritannien haben wir viele Inder und die USA ist für uns nicht so fern, doch Deutschland ist das Fenster zur westlichen Welt”, sagte Khan uns bedankte sich noch für die warmherzige Gastfreundschaft.  Obwohl er schon lange im Geschäft ist, ist er im Grunde immer noch der selbe geblieben, so sagt er. Er möchte aber dennoch keine Politik machen, akzeptiere alle Ideologien und sei bereit über alles zu reden. Ein Standpunkt, den sich mehr Menschen aneignen sollten.

Dieser Film könnte Kajol als Sprungbrett nach Hollywood dienen, habe sie doch bereits schon einmal darüber nachgedacht dort zu drehen: “Wenn einmal ein Engagement kommt, OK. Wenn nicht, dann werde ich deswegen auch nicht weinen”, so die 35-Jährige.

“My Name is Khan” – erfrischend, mitfühlend und aufwühlend. Bollywood ohne die ganzen Farben und den Kitsch, bemerkenswert.

Verstrickungen eines Ex-Premieres – Der Ghostwriter

Saturday, den 13. February 2010
Der Ghostwriter (The Ghost Writer) Der zweite Tage der Berlinale stand scheinbar ganz im Zeichen von Autoren, die in moralische Bedrängnisse geraten. Auch der zweite Film stellt einen Autoren in den Mittelpunkt der Story. Dieses Mal wird er als Ghostwriter für die Memoiren eines fiktiven früheren britischen Premierministers eingesetzt und beim Schreiben macht dieser eine Entdeckung, die den Ex-Pemiere in ein ganz neues Licht rückt und plötzlich stößt er auf eine globale Verschwörung und befindet sich in höchster Lebensgefahr.

Die Produzenten Alain Sarde und Robert Benmussa, sowie Autor der Novel und Drehbuchautor Robert Harris stellten gemeinsam mit den Schauspielern Pierce Brosnan, Olivia Williams und Ewan McGregor und dem Komponisten Alexandre Desplat Roman Polanskis “Der Ghostwriter” vor. Selten war man auf einen Film der Berlinale so gespannt wie auf Polanskis neuestem Werk, der aufgrund eines Missbrauchs-Prozesses der Berlinale fernbleiben musste. Benmussa machte gleich zu Beginn der Pressekonferenz klar, dass er keinen Kommentar zum Verbleib seines Regisseurs abgeben wird. Er fasste zusammen, dass bis April 2009 an dem Streifen gedreht worden ist und bis August das Filmteam im Schneideraum sass. Im September machte dann die Verhaftung Polanksis einen Schnitt durch den engen Terminplan und von nun an arbeitete er aus dem Gefängnis heraus an der Fertigstellung des Films. Pierce Brosnan erhielt eine Textnachricht eines Freundes aus Berlin, der ihm über die Verhaftung Polanskis informierte. “Ich war geschockt und dachte gleich an seine Familie.” Das gesamte Team lobte den Regisseur für seine hervorragende Arbeit an dem Film. Pierce Brosnan sagte, dass er einem Tag für Tag zu Hochleistungen bringen kann. Für ihn war es eine schöne Erfahrung, die er nicht mehr missen mag. Ewan McGregor vertiefte das Ganze und sagte, dass er die gesamte Filmcrew immer hart rannahm. Wortwörtlich war er für alles am Set verantwortlich, es war buchstäblich sein Set und am liebsten hätte Polanski alle Arbeiten selber übernommen. “Ich hatte das Gefühl, dass er die Hände über mich hatte und ich verdanke ihm mindestens 50% meiner schauspielerischen Leistung an diesem Film”, sagte McGregor. Zunächst hatte Pierce Brosnan Schwierigkeiten mit der Darstellung desPremierminister Adam Lang. Bei einem Essen in Paris fragte er Polanski, ob er einen Tony Blair spielen sollte, aber Roman verneinte dieses gleich energisch: “Nein, nein, vergiß das, spiel einfach.” “Also mimte ich letztendlich den Tony Blair”, scherzte ein gut aufgeleger Pierce Brosnan.

2007 stellte Autor Robert Harris sein Buch fertig und stand zu diesem Zeitpunkt schon mit Polanski in Kontakt, der unbedingt mal wieder nach “Der Pianist” und “Oliver Twist” einen Thriller machen wollte. “Ich arbeite an einem Buch über einen Ghostwriter, sagte ich Polanski und er erwiderte nur mit wie langweilig”, scherzte Harris. “Doch als er von der Story hörte, gab er nur noch von sich “Das machen wir”.

Schließlich wurde Brosnan wieder einmal auf seine Bondfilme angesprochen und ob er mit den dunklen Charakteren, die er in letzter Zeit gespielt hatte, sich von dem Bondcharakter distanzieren möchte. “Ich bin dankbar für die Bondfilme und war durch sie in der Lage eine eigene kleine Produktionsfirma zu gründen und solche Filme wie “Die Thomas Crown Affäre” und “Matador” zu drehen.”

Polanskis Reisebeschränkungen zwangen das Team den Film unter anderem auf Sylt und Usedom, in Babelsberg sowie in Berlin zu drehen. Obwohl die Ähnlichkeit zu Tony Blair verblüffend ist, ist “Der Ghostwriter” keine Politbiografie geworden, sondern vielmehr ein hervorragender Thriller mit einem erstklassigen Soundtrack. Die perfekte Konstellation von einem Mann mit höchster Fallhöhe und einem aufstrebenden jungen Autoren unterstützen die überraschenden Wendungen nur noch. Hochbrisanter und spannender Thriller, sehenswert.

Howl – Animationen visualisieren das geschriebene Wort

Saturday, den 13. February 2010

Howl Die beiden Regisseure Rob Epstein und Jeffrey Friedman stellten heute gemeinsam mit der Produzentin Elizabeth Redleaf ihren Wettbewerbsbeitrag “Howl” aus den USA vor und eröffneten am zweiten Tag der Berlinale den regulären Spielbetrieb. Nach der Pressevorführung bekam der Film einen warmen Applaus für den Versuch das geschriebene Wort von Poet Allen Ginsberg für die große Leinwand zum Leben zu erwecken. Rob Epstein ist bereits zweifacher Oscarpreisträger und stellt ein amerikanisches Meisterwerk nicht nur in den Mittelpunkt seines Films sondern auch gleich vor Gericht: “Howl”. James Franco mimt den Verfasser des Gedichts Allen Ginsberg, einenanmutigen homosexuellen Schreiberling, der es Verstand in den 1950er Jahren mit Zigarettenqualm gefüllte Bars und Cafés in San Francisco zu elektrisieren. 1955 wurde das Gedicht zum ersten Mal in der Öffentlichkeit vorgetragen und löste eine Welle der Empörung bei den konservativen Lesern aus bis es schliesslich vor Gericht landete, vor dem man diskutierte, ob die offene Darstellung von Sex und die unerschrockene Darstellung von dem, was er die “Leere” in der modernen amerikanischen Gesellschaft nannte nun künstlerisch sei oder nicht. Der Film dokumentiert die Ereignisse aus drei Perspektiven. Zunächst wird die Gerichtsverhandlung dokumentiert, zum anderen werden in schwarz/weiß gehaltene Emotionen der Personen festgehalten, die Allen Ginsberg bei der Veröffentlichung zuhörten und zu guter Letzt das Gedicht selbst, dass der Zeichner Eric Drooker (musikalisch illustriert von Carter Burwell) für diesen Film visualisiert hat.

Alle drei Filmemacher hatten das Gedicht  bereits in der Highschool gelesen und schon damals wurden sie von den sexuellen Expressionen und den Beziehungen, von dem das Gedicht erzählt, persönlich beeindruckt. Schliesslich kontaktierte Ginsbergs Sekretär die beiden Regisseure und fragte, ob beide Lust hätten aus der Geschichte ihren ersten Feature-Film zu kreieren und sie sagten zu. Für Rob Epstein, der für seine Dokumentation “The Times of Harvey Milk” 1984 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, gab an, dass es ein ziemliches Unterfangen war einen Film zu kreieren, der von so etwas Essentielles wie Worte auf einer Seite handelt. Beiden ist selbstverständlich bewusst, dass, wenn man das Werk 55 Jahre später liest, es einem heutzutage anders schockieren kann. Schliesslich hatten die beiden Regisseure die Idee, das Geschriebene vom Poeten mit Hilfe von Grafiken visualisieren zu lassen und machten diesbezüglich mit fünf verschiedenen Unternehmen Probeaufnahmen.

Herausgekommen ist ein beeindruckender Film, der Jugendliche an die Hand nimmt und sie an die Gedichte heranführt. Durchaus gelungen.

Tuan yuan eröffnet leise das Festival

Friday, den 12. February 2010

apart_together_tuan_yuan Auf der Pressekonferenz der Internationalen Jury ließ Werner Herzog, welcher den Juryvorsitz inne hat, verlauten: “Alle Filme genießen erst einmal unsere Sympathie. Erst wenn wir den Film dann sehen, wird sich zeigen, ob er dem gewachsen ist.” Und einige Minuten später flimmerte auch schon “Tuan yuan”, der Eröffnungsfilm aus der Volksrepublik China auf der großen Leinwand und somit war das Geburtstags-Festival für mich eröffnet. Nun wird das Festival bereits zum 60. Mal ausgetragen und gilt neben Cannes und Venedig als das wichtigste der Welt. Vieles ist neu, konnte man mit BMW zum Beispiel einen neuen großen Hauptsponsoren gewinnen, doch einiges bleibt gleich. Viele, die Erfolge auf der Berlinale feiern konnten, kehren mit Stolz immer wieder gerne zurück. Regisseur des Eröffnungsfilm ist ein Altbekannter, erhielt Quanan Wang doch 2007 für “Tuyas Hochzeit” den Goldenen Bären und dieses Mal darf er das Jubiläumsfestival eröffnen und nicht der für kurze Zeit angedachte Polanski, ”Der Ghostwriter”.

Dem Regisseur Quanan Wang, der laut eigenen Aussagen mit seinem Goldenen Bären zusammen im Schlafzimmer schläft, sieht man an, dass er gerne an die Spree zurückkam, in der Tasche hat er einen poetischen Film über das Zusammensein, die Zusammengehörigkeit und das Zusammenkommen. “Danach streben alle Chinesen”, gab der 54-jährige Regisseur auf der Pressekonferenz an, doch das Besondere an seinem Film ist der Zusammenschluss der geographischen und der zeitlichen Distanz zwischen den Protagonisten. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte und entführt uns ins heutige Shanghai, der coolsten und hippigsten Metropole der Volksrepublik China, welche wie keine andere Stadt die armen herunter gekommenen alten Viertel mit den reichen prachtvollen Bankenvierteln kombiniert. Liu Yansheng kehrt nach 50 Jahren in seine ursprüngliche Heimatstadt Shanghai zurück, um die wahre und einzige Liebe seines Lebens Qiao Yu’e, die er bei der Flucht vor 50 Jahren zurücklassen musste, wiederzufinden. Hauptdarstellerin Lisa Lu ist in Shanghai aufgewachsen. Sie freute sich nach vielen Jahren mal wieder in ihrer Heimatstadt drehen zu können und empfahl jedem sich die Stadt einmal anzuschauen, vielleicht zur diesjährigen Expo, scherzte sie. Ihr Verständnis über die Liebe und das Leben konnten der 83-jährigen aber nicht bei der Darstellung genügend helfen, Unterstützung bekam sie von einem einfühlenden Regisseur, der sogar einige Szenen in das Drehbuch schrieb, um die Entwicklung zwischen den beiden Akteuren besser hervorheben zu können. Das Schema des Films ist überall bekannt. Man ist zwar zusammen, aber irgendwie dann doch nicht. Brisant wird der Film erst, wenn Liu Yansheng versucht seine Liebe mit nach Taiwan zu nehmen und ihrem jetzigen Ehemann von dieser Idee berichtet.

Aufbauen wollte Quanan Wang seinen Film wie ein Theaterstück. Die zahlreichen Szenerien an den Esstischen sind typisch für chinesische Familien. Dort kommt man zusammen und redet miteinander. Wie in einem Theaterstück versammelte er mit Hilfe des deutschen Kamerammannes Lutz Reitemeier die Akteure um die Tische. Laut Reitemeier legen die Chinesen einen größeren Wert auf Symmetrie und den Goldenen Schnitt, doch grundliegende Unterschiede bei der Bildgestaltung konnten die beiden, die sich einmal während der Berlinale in einem chinesischen Restaurant in der Kantstraße kennen lernten, schnell aus der Welt schaffen. Es wird oft eine Handkamera eingesetzt, aber eben so oft eine fixe Kamera, die wenig Schnitte erforderte.

Die kulturellen Unterschiede bei den Filmemachern und die eine Woche lang andauernde Zensur des Films ist jedoch nicht bezeichnend  für die Problematik des chinesischen Films, so Quanan Wang. Der aufkeimende Kommerz bei den Verleihern wird einmal das chinesische Kino sterben lassen. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. “Tuan yuan” eröffnet leise das Festival und hat Platz nach oben gelassen. Als Eröffnungsfilm war er für meinen Geschmack leider nicht kräftig genug.