Die Preisverleihung und alle Preisträger
So eben wurden vor 1600 geladenen Gästen die Preise der diesjährigen Berlinale verliehen. Durch die Preisverleihung führte Anke Engelke, die gemeinsam mit Festivaldirektor Dieter Kosslick und den Mitgliedern der Internationalen Jury die Statuen übergab. In seiner Eröffnungsrede dankte Dieter Kosslick dem Publikum für einen neuen Besucherrekord von über 300.000 verkauften Tickets, für die vielen Leute, die in die Kiez-Kinos unter dem Motto “Berlinale goes Kiez” strömten und für die 2000 Menschen, die bei -10 °C vor dem Brandenburger Tor ausharrten und sich die restaurierte Fassung von Fritz Langs “Metropolis” anschauten. Natürlich dankte er auch obligatorisch dem Kulturstaatsminister Bernd Neumann und den Sponsoren. Ebenfalls gab er seine neue Kürzelerklärung für den Hauptsponsoren BMW bekannt: “Berlinale mit Wagen,” scherzte er. Dann konnte die Preisverleihung starten. Als erstes wurde der japanische Regisseur Yuji Yamada mit einer Berlinale Kamera geehrt und dann wurde es auch schon spannend.
Die Jury für den Besten Erstlingsfilm bestand aus Michael Verhoeven, Ben Foster und Lorna Tee. Die Berlinale engagiert sich seit der Einführung des Preises im Jahre 2006 mit einer Förderung für den Filmnachwuchs. Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert und wird von der Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten (GWFF) gestiftet. Das Preisgeld teilen sich Regisseur und Produzent des Films “Sebbe”. Zudem wurde dem Regisseur Babal Najafi ein hochwertiger “Viewfinder” als nützliches Werkzeug für kommende Projekte und Erinnerungsstatuette überreicht.
Lorna Tee gab vor der Bekanntgabe des Preisträgers an: “Leider konnten wir nur einen auswählen, der hat mir dafür aber das Herz gebrochen. Es ist eine Mutter-Sohn-Beziehung aus einer grausamen Welt.”
In Erinnerung an den Gründer des Festivals, bekommt ein Spielfilm den Alfred-Bauer-Preis, der neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet. Dieses Jahr bekam diesen Preis der Film “If I Want To Whistle, I Whsitle” von Florian Serban. Überreicht wurde der Preis durch Jury-Mitglied Francesca Comencini.
Florian Serban dankte zunächst seinem Team und sagte dann: “Ich möchte den Preis den Kindern widmen, die mit mir diese Reise begonnen haben, die Briefe an die Mütter geschrieben haben, die sie nie getroffen haben.”
Den Silbernen Bären für das Beste Drehbuch überreichte Jury-Mitglied Yu Nan und die Gewinner hiessen Wang Quan’an und Na Jin, die das Drehbuch zu “Apart Together” verfassten.
Wang Quan’an dankte dem Publikum und dem Festivaldirektor: “Als Dieter mich eingeladen hatte, hat er gesagt, dass mein Film ein guter Eröffnungsfilm sein könnte, aber er hatte nicht gesagt, dass er auch hier am Ende eine Rolle spielen würde. Vor drei Jahren fand ich vor der Preisverleihung nicht gleich meine Hose und dieses Jahr habe ich meine Jacke nicht gleich gefunden,” scherzte der Drehbuchautor und Regisseur. “Draussen war es eine kalte Berlinale, aber im Kino drin die wärmste, die ich je mitgemacht habe. Als ich den Film “Apart Together” drehte, wollte ich ein Jahrhundert einfangen und Leute, die von einander getrennt sind. Besonders für Berlin war das auch immer ein großes Thema. Ich wollte dafür einen Satz vor dem Film haben, nämlich dass der Film der Stadt Berlin gewidmet ist. Danke schön.”
Den Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung in der Kategorie Kamera übergab Jury-Präsident Werner Herzog an Pavel Kostomarov, der die Kamera bei dem Film “How I Ended This Summer” führte.
Den Silbernen Bären für den besten Darsteller überreichte Jury-Mitglied Cornelia Froboess an die beiden Darsteller Grigori Dobrygin und Sergei Puskepalis aus “How I Ended This Summer”.
“Was wir hier in der Hand halten, ist die Frucht der Arbeit von vielen Menschen, unter anderem auch der Arbeit der Jury der Berlinale,” sagte Sergei Puskepalis. Sein Schauspielkollege Grigori Dobrygin stotterte vor Glück: “Das war meine allererste Rolle, aber so einen Anfang … ich möchte sagen … vielen herzlichen Dank, mein Dank gilt dem Regisseur.”
Den Silbernen Bären für die Beste Darstellerin übergab Jury-Mitglied Nuruddin Farah an die Schauspielerin Shinobu Terajima für ihre darstellerische Leistung in dem Film “Caterpillar”.
Der Regisseur des Films Kohi Wakamatsu übernahm stellvertretend den Preis, da die Darstellerin bereits wieder auf der Bühne stand. Er sagt: “Sie hat mir eine E-Mail geschrieben, die ich mal vorlesen werde: Ich bin ganz glücklich im Jubiläumsjahr diesen ehrenvollen Preis erhalten zu haben, mit Dankbarkeit werde ich diesen Preis mein Leben lang in Ehren halten. Ich hoffe, dass wir eines Tages eine Welt ohne Krieg haben werden. Ich hoffe, dass der Film der Welt vermittelt, dass Mord und Totschlag keine Antworten sind. Herzlichen Dank an allen, an die Junioren, an die Berlinerinnen und Berliner und an das Publikum meinen recht herzlichen Dank.”
Den Silbernen Bären für die Beste Regie übergab Jury-Mitglied José Maria Morales. Preisträger Roman Polanski konnte leider nicht zugegen sein, deswegen nahmen die Produzenten des Films “Der Ghost Writer” stellvertretend den Preis entgegen. Robert Bernmussa sagte: “Ich würde gerne Deutschland danken, wo wir den Film mit einer hervorragenden deutschen Crew gedreht hatten. Ebenso den Filmfonds, ohne die dieser Film nicht hätte entstehen können. Ich möchte mich auch bei unserem hervorragenden Partner, dem Studio Babelsberg, bedanken. Am Ende dieser Reise möchte ich auch dem deutschen Filmfestival danken.” Sein Kollege Alain Sarde gab hinzu: “Ich bin mir sicher, das Roman sich sehr freuen würde, aber er sagte mir: Selbst wenn ich könnte, würde ich nicht kommen. Das letzte Mal wo ich zu einem Festival ging, um einen Preis zu empfangen, bin ich im Gefängnis gelandet.”
Den Silbernen Bären, der Große Preis der Jury übergab Jury-Mitglied Renée Zellweger an den Film “If I Want To Whistle, I Whistle” von Florian Serban.
Zu guter Letzte übergab Jurypräsident Werner Herzog den Goldenen Bären für den Besten Film mit den Worten: “Die Jury bestand aus hochrangigen Mitgliedern. Es war sehr leicht, wir konnten schnell eine Entscheidung finden. Wir waren uns gleich einig und ich danke Dieter Kosslick für die wunderbare Auswahl der Filme. Wir haben uns über jeden Film gefreut.” Der Goldene Bär ging an den Film “Honey” von Semih Kaplanoglu, der sich mit einigen Worten bedanken wollte: “Ich möchte mich vor allem bei der Berlinale bedanken, bei der Jury, die uns hiermit belohnt hat, ZDF/ARTE, der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, meinem Team, meiner Mutter und meiner Frau, allen, die dazu beigetragen haben. Ich erzähle noch schnell eine kleine Anekdote: Während der Dreharbeiten sahen wir in 10 Meter Entfernung einen Bären, der Honig schleckte. Als er uns sah, flüchtete er vor uns. Ich denke, er ist hiermit zurückgekehrt,” sagte er und hielt den Goldenen Bären in die Luft.
Am 21. February 2010 um 23:02 Uhr
[...] Berlinale-Blog von Moviereporter.net lässt aus diesem Anlass den Jurypräsidenten Werner Herzog zu Wort kommen, [...]