Roehlers umstrittener Film über die Entstehung des Nazi-Films Jud Süss
Kultregisseur Oskar Roehler wagte sich an ein schwieriges Thema und versuchte teils mit zeitgetreuen und teils mit fiktiven Elementen die Entstehungsgeschichte des wohl berühmtesten Nazi-Hetzfilms “Jud Süss” zu erzählen. Heute stellte er gemeinsam mit seinem Drehbuchautor Klaus Richter und seinen Hauptdarstellern Moritz Bleibtreu, Tobias Moretti, Martina Gedeck und Justus von Dohnanyi den Film vor, der als deutsch-österreichische Koproduktion im Wettbewerb läuft.
Das Original wurde damals auf Wunsch Adolf Hitlers in Auftrag gegeben. “Hitler war der Meinung, dass es nur Unterhaltungsfilme gab und keine NS-Filme”, so Drehbuchautor Klaus Richter, der die erste Fassung zu Roehlers “Jud Süss – Film ohne Gewissen” bereits vor acht Jahren schrieb. Damals suchte man den perfekten Schauspieler für den Juden und glaubt ihn in den Schauspieler Ferdinand Marian gefunden zu haben. Roehlers Film setzt genau bei dieser Suche ein und bei den Gewissenskonflikten, die dieser hatte die Rolle anzunehmen. “Als ich das Drehbuch zum ersten mal las, dachte ich, ich lese etwas aus der jetzigen Zeit. Das sind eigentlich genau die Probleme, die wir Schauspieler haben,” sagte Moritz Bleibtreu, der den Goebbels mimte. Heutzutage müssen Schauspieler Kompromisse eingehen. Man kann nur das spielen, was einem vorgelegt wird und muss schauen, ob die Rolle zu einem passt. Gewissensbisse den Goebbels zu spielen hatte er aber nicht. “Gewissermassen war das ja alles Satire. Wenn man sich die Leute heute anschaut, dann kann man gar nicht verstehen, dass damals Millionen Leute ihnen glaubten”, sagte er und betitelte Goebbels zudem als Clown. “Clown und Massenmörder,” berichtigte ihn ein Journalist zugleich.
Das der Film Fakten verdreht und einige Sachen auslässt, sehen die Filmemacher als ganz normal an. “Wir machen ja hier Spielfilme und wenn Spielfilme nicht mehr fiktiv sein dürfen, dann wird es ja irgendwann langweilig,” wollte Moritz auf dem Punkt bringen. “Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, dachte ich, ich lese etwas über die heutige Branche, über die Selbstzufriedenheit der Akteuere, wie sie sich selber zelebrieren und feiern,” sagte Oskar Roehler.
Fakt ist jedoch, dass Oskar Roehler sich mit diesem Film auf unsicheres Terrain gewagt hat und sich den kritischen Äußerungen stellen und vor allem … sich die Buh-Rufe nach der Pressevorführung gefallen lassen muss. Aber seht lieber selbst, denn der Film soll noch dieses Jahr in den Kinos anlaufen.
Am 19. February 2010 um 10:49 Uhr
Ich möchte gerne wissen, ob die Produzenten oder der Regisseur oder wer auch immer mit Thomas Harlan über diesen Film gesprochen haben. Mich würde dessen Meinung dazu interessieren.
Am 20. February 2010 um 17:47 Uhr
Darüber haben die Filmemacher auf der Pressekonferenz leider nichts verlauten lassen.