Berlinale 2008

Lesbische Familien-Komödie überzeugt auf ganzer Linie

The Kids Are All Right Endlich! Heute lief der erste Film, der mich voll und ganz überzeugt hat und wem wundert es, es ist eine Hochglanz-Independentproduktion. “The Kids Are All Right” heißt der us-armerikanisch-französische Wettbewerbsbeitrag, den die Regisseurin Lisa Cholodenko gemeinsam mit ihrer Hauptdarstellerin Julianne Moore heute vorstellte. Darin spielt Moore die Ehefrau von Anette Bening. Beide haben ein Kind von ein und denselben Samenspender. Nun, wo Tochter Joni (Mia Wasikowska) 18 Jahre alt geworden ist, drängt sie ihr jüngerer Bruder Laser (Josh Hutcherson) aus Neugierde dazu, bei der Samenspenderbank anzurufen und herauszufinden, wer ihr leiblicher Vater ist. Zunächst sträubt sie sich dagegen, doch dann stehen die beiden auch schon vor Pauls (Mark Ruffalo) Restaurant. Natürlich können die beiden das Treffen nicht lange geheim halten und schon wird Paul zum Essen in das traute Heim der Familie eingeladen. Paul beauftragt Jules (Julianne Moore) seinen Garten neu zu bepflanzen. Als beide eine Affäre anfangen, droht die ganze Situation ausser Kontrolle zu geraten.

Der Film handelt von einem lesbischen Ehepaar, von dem sich eine in ihrem Beziehungsdasein und in ihrer Familie verloren glaubt. Viele brisante Themen werden angesprochen und Fragen gestellt wie: Was geschieht, wenn man lange verheiratet ist und Kinder hat? “Diese Geschichten kennt man aus dem Leben, sieht man aber irgendwie nie in Filmen”, stellte Julianne Moore fest. Die Regisseurin Lisa Cholodenko schrieb gemeinsam mit Stuart Blumberg fünf Jahre an dem Drehbuch und scheinbar war es nicht einfach die Finanzierung für den Film zu bekommen: “Es gab viele Interessenten und auch viele Gespräche, aber niemand war letztendlich bereit Geld für dieses Projekt auszugeben bis wir schließlich unabhängige Finanziers gefunden haben,” erinnerte sich die 45-jährige Regisseurin. Julianne Moore wollte schon immer mit der Regisseurin zusammen arbeiten, mit der sie auch befreundet ist. Alle sechs Monate hat Julianne bei Lisa nachgefragt, wie weit sie mit dem Projekt sei und wann sie endlich zu drehen anfangen könnten. “In den USA gibt es immer wieder Leute, die dich fragen, was dauert daran so lange, kannst du das nicht abkürzen. Aber am Ende macht es das Regieführen für Dich leichter”, erzählte Lisa Cholodenko.

“Die Leute kommen nicht in meine Filme, um mich zu sehen, sie wollen sich selber wieder erkennen”, sagte Moore. Für sie hat Liebe viel mit Zeit zu tun. Die Zeit macht am Ende erst die Familie aus oder eine Ehe. Aber wie sieht der Umgang mit Homosexuellen momentan in den USA aus? “Ich bin nicht sehr politisch. Ich wünscht ich wäre es mehr, aber es gibt viele Aktivitäten momentan, Homosexuelle heiraten. Wir haben den Zeitpunkt zwar nicht geplant, aber das Timing ist ganz gut”, so die Regisseurin.

Das Schöne an dem lesbischen Familienporträt ist das Fehlen des Comig-Out-Wendepunktes in der Geschichte. Lisa Cholodenko setzt voraus, dass homosexuelle Beziehungen normal sind und bastelt daraus eine wunderbare, zutiefst amüsante und ansprechende Geschichte. Absolut gelungen und sehenswert!

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