Berlinale 2008

Mittwoch, 13. Februar - Tag sieben der 58. Berlinale

ladyjane.jpgAm heutigen Tag kann die Berlinale wieder mit mehr Star-Power aufwarten, denn ein absoluter Superstar gibt sich die Ehre und wird die eigentlichen Wettbewerbsträge wohl in den schatten stellen - die Rede ist von Pop-Ikone Madonna. Sie stellt in der Kategorie Panorama ihr Regie-Erstlingswerk “Filth And Wisdom” vor. Für die Premiere, die um 21.30 Uhr im Zoo-Palast stattfinden wird, hat sich die Regisseurin höchst selbst angekündigt. Begleitet wird sie von ihren Schauspielern Holly Weston, Vicky McClure und Eugene Hutz. Die Veranstaltung wird sicherlich viele Fans und Medienvertreter anlocken.

Nun aber zum eigentlichen Wettbewerb, der heute um 16.00 Uhr mit dem japanischen Beitrag “Kabei” beginnt, ein Familiendrama, das sich vor dem Hintergrund des 2. Weltkriegs abspielt. Tokio, 1940. Kayo Nogami bereut keinen Tag, den sie mit ihrem Mann Shigeru verheiratet ist. Zwar war ihr Vater damals strikt gegen die Hochzeit, doch das ist lange her. Mittlerweile haben sie Töchter, die ihre Eltern mit “Kabei” und “Tobei” rufen. Mit ihnen führen die Nogamis ein glückliches Familienleben. Doch die Idylle endet mit einem Schlag. An einem kalten Wintermorgen wird Shigeru verhaftet und aus politischen Gründen inhaftiert. Ohne weitere Angaben über die Dauer, die ihr Mann im Gefängnis sitzen muss, ist Kayo jetzt ganz allein auf sich gestellt. Doch ein Student Shigerus, Toru Yamasaki, der jetzt in einem kleinen Verlag arbeitet, unterstützt die Familie in dieser schwierigen Zeit. Die gegenseitige Zuneigung wächst mit jedem Tag, den Yamasaki da ist, und schon bald sprechen die Töchter nur noch von Yamachan, wenn sie von ihm erzählen. Auch die schöne Tante Hisako und der ungehobelte Onkel Senkichi bemühen sich, die traurige Familie aufzuheitern. So schlagen sich die Nogamis durch die Zeit. Shigeru ist jetzt schon das zweite Jahr inhaftiert, als die japanische Armee die amerikanische Flotte in Pearl Harbor angreift und der Krieg im Pazifik entfesselt wird. Das neue Jahr beginnt ohne Neuigkeiten von Shigeru. Dann erreicht die Familie ein Telegramm …
Für die Premiere werden Regisseur Yoji Yamada, Produzent Hiroshi Fukasawa, Drehbuchautor Teruyo Nogami und die Darsteller Sayuri Yoshinaga und Tadanobu Asano erwartet.

Um 19.30 Uhr folgt dann die Premiere des italienischen Wettbewerbsbeitrags “Caos calmo”, für die ein großes Aufgebot am Roten Teppich erwartet wird, zu dem unter anderem der Regisseur Antonello Grimaldi und die Schauspieler Valeria Golino und Alessandro Gassman zählen. In seinem Film thematisiert der Regisseur den langen Prozess des Wartens: Immer wieder spürt Pietro (Nanni Moretti) dieses Gefühl von Chaos und Stille. Seit dem Tod seiner Frau findet er keine Ruhe mehr. Lara starb ganz unerwartet an einem Sommertag. Pietro war damals nicht zu Hause. Er war am Meer und rettete zur gleichen Zeit eine fremde Frau. Seine Tochter Claudia (Blu Di Martino) geht in die fünfte Klasse. Als Pietro sie eines Morgens zur Schule bringt, beschließt er spontan, im Auto auf seine Tochter zu warten. An den nächsten Tagen macht er es genau­so. Es ist, als würde Pietro Zuflucht in seinem Auto suchen. Er sitzt und wartet auf den Schmerz der Einsamkeit. Verborgen in seinem Auto, beginnt er seine Umgebung zu beobachten. Er entdeckt die versteckten Rückzugsorte der anderen. Seine Chefs, die Arbeitskollegen, Verwandte, sie alle kommen zu ihm, um ihn zu trösten. Aber dann erzählen sie ihm nur von ihrem eigenen grenzenlosen Schmerz und ergreifen vor seiner unbegreif­lichen Ruhe die Flucht. Doch allmählich beginnt für Pietro die Zeit der Genesung.

Am späten Abend wird der heutige Wettbewerbstag durch den französischen Film “Lady Jane” beschlossen. Regisseur Robert Guédiguian orientierte sich für sein Kriminaldrama an großen französischen Vorbildern: Damals, als die Rolling Stones “Lady Jane” sangen, verteilten Muriel, François und René gestohlene Pelzmäntel “ans Volk”. Genauer gesagt: an die Bewohner jenes Marseiller Arbeiterviertels, aus dem die drei Freunde selbst stammten und in dem sie schon ihre Kindheit miteinander verbracht hatten. Später stellten sie ihre Raubzüge dann ein. Nachdem sie bei einem Raubüberfall auf einem Parkplatz einen Juwelier getötet hatten, vereinbarten sie, einander nicht mehr zu treffen, um Gras über die Sache wachsen zu lassen und den tödlichen Zwischenfall, so weit das eben möglich war, zu vergessen.
Sie halten sich daran – bis eines Tages Muriels Sohn das Opfer einer Entführung wird. Nun kommt die alte Dreierbande doch noch einmal zusammen. Irgendwoher müssen sie das geforderte Lösegeld doch bekommen …
Zur Premiere des Films sind der Regisseur und die Darsteller Ariane Ascaride, Gérard Meylan, Jean-Pierre Darroussin, Yann Trégouët und Frédérique Bonnal geladen.

Einen Kommentar schreiben