Berlinale 2008

Die Gewinner der 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin

geschrieben am 14. Februar 2009 von Haiko in Berlinale 2008

goldenerbaer_2009_popup1Und hier die Gewinner der 59. Berlinale. Allen Gewinner herzlichen Glückwunsch!

Goldener Bär für den Besten Film
“La teta asustada” (”The Milk Of Sorrow”) von Claudia Llosa

Silberner Bär - Großer Preis der Jury
“Alle Anderen” (”Everyone else”) von Maren Ade

ex aequo

“Gigante” von Adrián Biniez

Silberner Bär - Beste Regie
Asghar Farhadi für “Darbareye Elly” (”Alles über Elly”)

Silberner Bär - Beste Darstellerin
Birgit Minichmayr in “Alle Anderen” (”Everyone else”) von Maren Ade

Silberner Bär - Bester Darsteller
Sotigui Kouyate in “London River” von Rachid Bouchareb

Silberner Bär - Herausragende künstlerische Leistung
Wir Filmemacher vergessen manchmal die besondere Fähigkeit des Sounds, Atmosphären zu schaffen; und sehr oft verwenden wir den Sound auf eine vorhersehbare Weise. Die Art, wie dieser Film seine düstere Erzählung um ein starkes Sound-Design herum aufbaut, hat eine große Originalität, Experimentierfreude und Risikobereitschaft. Der Silberne Bär für eine herausragende künstlerische Leistung geht an:

Gábor Erdély und Tamás Székely für das Sound-Design in “Katalin Varga” von Peter Strickland

Silberner Bär - Bestes Drehbuch
Die Jury zeichnet ein Drehbuch aus, das uns an einer speziellen Erfahrung teilhaben lässt, eine Erfahrung die oft übersehen oder verborgen wird.
Wir wollen mit dem Preis Produzenten, Verleiher und das Publikum in aller Welt ermutigen, nach Möglichkeiten zu suchen, wie unser Horizont erweitert werden kann. Wir wollen außerdem mit dem Preis die Besonderheit des Kinos würdigen, uns Geschichten zu erzählen, an die kein anderes Medium sich herantraut. Die Jury verleiht den Silbernen Bären für das beste Drehbuch an:

Oren Moverman und Alessandro Camon für “The Messenger” von Oren Moverman

Alfred-Bauer-Preis
Die Jury hat einstimmig entschieden, den diesjährigen Alfred-Bauer-Preis an zwei Filme und zwei Regisseure zu verleihen. Einer dieser Regisseure ist ein Altmeister, der auf eine bereits sechzigjährige Erfahrung als Filmemacher zurückblickt. Doch er ist jung und geistig mutig geblieben, was die Entwicklung neuer filmischer Ausdrucksmöglichkeiten anbelangt. Er zögert auch nicht, sich selbst als Figur in seinem neuen Film mit einzubringen.

Der andere Regisseur ist ein junger Mann, der mit seinem ersten Spielfilm nach Berlin gekommen ist.

Beide sind vom gleichen leidenschaftlichen Willen angetrieben, die Filmsprache weiter zu entwickeln, um die wichtigen Geschichten über unsere Zeit und die Grundbedingungen menschlichen Daseins zu erzählen. Die Jury verleiht den Alfred-Bauer-Preis an:

“Gigante” von Adrián Biniez

ex aequo

“Tatarak” (”Der Kalmus”) von Andrzej Wajda

Die Berliner Bildhauerin Renée Sintenis (1888-1965) hat die Bären-Trophäen entworfen, die auch das Berlinale-Logo zieren. Seit der Gründung des Festivals werden die Bären von der Berliner Gießerei Noack hergestellt. Der Bär ist das Wappentier Berlins.

My One And Only - Romantisches Roadmovie mit der charmanten Renée Zellweger

geschrieben am 12. Februar 2009 von Haiko in Berlinale 2008

20097450_1Als Anne ihren Ehemann, den Bandleader Dan Deveraux, beim Ehebruch erwischt, schnappt sie sich ihre beiden Söhne George und Robbie, kauft sich einen glänzend brandneuen „El Dorado“-Cadillac und macht fortan die Highways unsicher. Das Trio reist von Stadt zu Stadt, ständig auf der Suche nach Bargeld, und Anne sucht nach einem neuen Ehemann und damit auch nach einem neuen Ernährer.

Als George Probleme in der Schule und mit seinem Alter hat, versucht Anne jedem erstbesten Verehrer ihr Herz zu schenken. Schnell merkt sie aber, dass alle nicht die richtigen sind. Die Reise treibt sie nach Westen, wo eine überraschende Begegnung mit einer vertrauten Person auf sie wartet. Sucht sie wirklich nach der besten Zukunft für ihre Söhne oder läuft sie nur vor ihrer eigenen Vergangenheit davon?

Der Film basiert auf den Kindheitserlebnissen des Schauspielers George Hamilton, der 1939 geboren wurde und mit seiner Mutter und seinem Bruder durch die amerikanischen Staaten reiste. Der überaus gut aufgelegte britische Regisseur Richard Loncraine gewann 1996 für “Richard III” den silbernen Bären als bester Regisseur und dieses Jahr läuft sein neuester Film, für den er 10 Jahre für die Realisierung benötigte, wieder im Wettbewerb. Alle großen Studios konnten die Geschichte nicht in eine bestimmte Schublade stecken und wollten kein Geld in dieses Projekt investieren. Heute stellte er gemeinsamen mit seiner Hauptdarstellerin Renée Zellweger, die eigene Erfahrungen für die Rolle der Frau mit gescheiterter Ehe mitbringen konnte und Mark Rendall vor. Mark spielt Robbie, der nicht seinen richtigen Vater kennt, darum auch Probleme hat seinen Mann zu stehen und stets die weiblichsten Rollen am Schultheater annimmt. Ihr anderer Sohn George hängt da schon eher an seinen Vater Dan, der von Kevin Bacon verkörpert wird. Die Probleme sind vorprogrammiert.

Herausgekommen ist ein witzig romantisches Roadmovie der 50er Jahre mit einem richtig authentischen Setting über eine Frau, die versucht sich alleine zu verwirklichen. Die Story ist einfallsreich, der Film kreativ, die Schauspieler echt und die Dialoge amüsant. Nach “The Messenger” der beste Film der Berlinale!

Notorious – ‘Mo Money Mo Problems’ oder der Shakespeare Brooklyns

geschrieben am 11. Februar 2009 von Haiko in Berlinale 2008

szenenbild_07jpeg_700x468Yo, endlich bekommt die Berlinale auch den richtigen Soundtrack. Klar ist die Aussage durch den eigenen Musikgeschmack motiviert, ich saß im Kino, den Kopf zum Beat bewegend und was machten die anderen Journalisten? Gähnende Starrheit, scheinbar waren ihre Körper unbiegsam, neben mir wurde sogar geschlafen. Nahmen jene Journalisten den Film vielleicht zu ernst? Haben sie hinter jeder Szene vielleicht vergebens versucht das Künstlerische zu finden? Sicher sollte man von einem Film, der auf einem Festival wie die Berlinale läuft, einen gewissen künstlerischen Anspruch erwarten dürfen, obzwar “Notorious” nie versucht hatte DAS cineastische Meisterwerk zu werden und in das Rennen um die Bären geht er eh nicht, da er außer Konkurrenz läuft.

Es ist nicht ein purer Rap-Film, DER klischeehafte Hip-Hop-Streifen. Nach unzählbaren Dokumentationen und TV-Berichten über den Rapper, zeigt man in dem Film den Sohn, den Vater und Ehemann, den guten Freund, jemanden, der versucht, ein Mann zu werden. Dies unterstrich auch Voletta Wallace auf der heutigen Pressekonferenz, neben Sean ‘P. Diddy’ Combs eine der Produzentin des Films und Mutter von Christopher Wallace, aka The Notorious B.I.G., Biggie, Biggie Smalls oder Frank White.

“Schwierigkeiten gab es beim Casting,” sagte Regisseur George Tillman Jr. Es dauerte 4-5 Monate. “Entweder hattest Du jemanden, der rappen konnte, aber nicht schauspielern oder nicht so aussah, oder Du hattest jemanden der schauspielern konnte, aber nicht so aussah.” Da man die Originalen wie P. Diddy und Lil’Kim täglich auf youtube sehen kann, konnte jeder für sich den Vergleich zum Original ziehen. Also fragten sie sich, was waren sie für Leute bevor sie zu Stars wurden und kamen schließlich für die Hauptrolle des Notorious auf Jamal Woolard. Selber Rapper, auch aus Brooklyn stammend. Und die Ähnlichkeit zu seinem Idol, seinem Shakespeare wie er selber sagte, ist wirklich verblüffend und singen tut er obendrein im Film auch vieles selber. Die beste Besetzung also. “Ich fühle mich geehrt, wenn man mich im gleichen Atemzug mit Notorious nennt,” sagte der Hauptdarsteller. Sein Produzent, Sean John Combs oder P. Diddy, Diddy, Puff Daddy, Puffy oder wie er sich auch immer nennen mag wird von Derek Luke dargestellt, der sagte, dass es eine Ehre war in diesem Film mitzuspielen, einen Film über zwei Hip Hop-Legenden, die er heute noch in seinem iPod hat.

Der Film erzählt die Lebensgeschichte von Notorious, wie er weltberühmt wurde und fängt in der Schulzeit an. In seiner Kindheit ist er Stipendiat an einer katholischen Schule in Brooklyn. Seine umsorgende Mutter versucht ihn von der Strasse fern zu halten, dennoch entwickelt er sich zum Drogendealer bis eines Tages plötzlich seine Freundin Jan schwanger wird und sein Leben verändert. Die Geburt seiner Tochter zwingt ihn zum ständigen Broterwerb. Illegale Arbeit bringt ihn hinter Gittern, wo er seine ersten Reime aufschreibt. Wider entlassen nimmt er ein Demotape auf, dass eher zufällig in die Hände von Sean ‘Puffy’ Combs landet, der ihn quasi über Nacht zum afroamerikanischen Kulturphänomen macht.

Der Titel eines seiner Lider “Mo Money Mo Problems” ist so inhaltsreich wie authentisch. Seine Manager versuchen ihn unter Kontrolle zu halten, doch seine Heirat mit der R&B-Sängerin Faith Evans und seine intime Freundschaft zu Kimberly ‘Lil’Kim’ Jones bringen Turbulenzen in sein Leben. 1994 wird erstmals auf Tupac, eigentlich ein Freund aus den früheren Anfangstagen, geschossen. Er vermutet Notorious hinter dem Anschlag, weil er in der Nähe war und die Presse trägt ihren Teil dazu bei. Es entsteht ein Konflikt zwischen Rappern der amerikanischen Ost- und Westküste, der am 13. September 1996 mit der Ermordung Tupac Amaru Shakurs und am 9. März 1997 mit der Ermordung Notorious B.I.G.s in Los Angeles seinen grausamen Höhepunkt fand.

Die Mörder beider Verbrechen wurden nie gefasst. Und obwohl Tupac selber an der Ostküste aufwuchs, führte die Rivalität beider Zusammenschlüsse zu deren beider Tode, wobei die Presse sicherlich nicht ganz unschuldig war. Außer weiterer Stücke mit seinen Texten, die nach dem Tod von Notorious erschienen sind, ist eine Stiftung geblieben, gegründet von dessen Mum. Unter dem Motto “Books don’t kill” stellt sie ärmeren Kindern Bücher und Computer zur Verfügung. Und nun kommt der Film.

Im Vordergrund steht nicht streng der Hip Hop, es geht um einen Menschen, der versucht ein Mann zu werden und um Freundschaft, Liebe und den holprigen Werdegang eines Stars. Das jeder Fehler hat wird zugegeben, aber jeder kann sein Talent fruchten lassen, sich und damit die Welt verändern. Neben coolen Hip Hop Tracks und einem klassisch gut gelungenen dramatischen Score von Danny Elfman fehlen mit Angela Bassett auch nicht die großen Schauspielernamen. Sehenswert, nicht nur wenn man eh auf Filme wie “8 Mile” und “Get Rich or Die Tryin’ steht”.

Happy Tears - Aber die Augen blieben trocken

geschrieben am 11. Februar 2009 von Haiko in Berlinale 2008

20090871_1_1Die Filmstudios haben scheinbar keine Angst mehr Stoffe vom Altwerden zu realisieren, nach dem Independent-Erfolg von “Die Geschwister Savage” und dem exzellenten “An ihrer Seite” zeigt Mitchell Lichtenstein in seinem dritten Film ebenfalls einen Demenzkranken. Doch auch hier steht die Krankheit nicht im Vordergrund, sondern auf den Angehörigen liegt der Fokus, die mit der Erkrankung umgehen müssen. Um das durchstehen zu können, müssen sie sich wieder den fremd gewordenen Familienmitgliedern annähern.

Zur Handlung: Jayne und Laura sind Schwestern. Als ihr 70-jähriger Vater Hilfe braucht, kehren die beiden zu ihrem Elternhaus zurück und sie müssen sich mit ihrem keineswegs perfekten Familienleben auseinander setzen.

Demi Moore spielt Laura, die fest davon überzeugt ist, dass ihr Vater jetzt eine Ganztagsbetreuung benötigt, wobei Jayne, gespielt von Parker Posey, sich gekonnt der Realität verweigert, wie immer. Rip Torn spielt den dahin dementierenden exzentrischen Vater Joe, der von dem Aktionismus seiner Töchter nicht begeistert ist, von seiner Freundin Shelly, der angeblichen Krankenschwester, schon eher. Dies führt natürlich zu unzähligen Kontroversen und der eine und andere könnte Tränen lassen, auch so manche Glücksträne.

Richtig sensibel kommt der Film nicht daher. Der modebegeisterte, kinderlose Charater von Parker Posey versucht ständig den Ärger auszuweichen, indem sie sich von der Realität abkapselt, wenn nötig auch durch die Einnahme von Drogen. Beide Schwestern lassen ein wenig ihre eigene Familienprobleme einfließen, bei der Umweltschützerin Laura sind es die Schwulitäten ihres Ehemannes und bei Jayne der Ehemann, der sich für das Werk seines toten Vaters opfert und keine Kinder haben will. Aber das macht den Film nicht sehenswerter.

Ob der Film für Demi Moore nicht ein kleines Risiko gewesen ist? “Jeder Film ist ein Risiko,” gab die Schauspielerin heute auf der Pressekonferenz zur Antwort. Doch sie stellt die Familie vor alles andere. Von Ehemann Ashton Kutcher bekam sie Unterstützung bei ihrem Berlinale-Auftritt. Vom Filmteam waren noch Parker Posey und der Regisseur Mitchell Lichtenstein zugegen.

Einige komödiantische Harmlosigkeiten konnten auch nicht das Niveau des apathischen Handlungsverlaufs erhöhen. Eine graue Tragik-Komödie über zwei Frauen, ein Kampf und Versöhnungen. Das Ganze ist leider nach hinten losgegangen. Ich empfehle lieber “An ihrer Seite”!

Mittwoch, 11. Februar - Tag sieben der 59. Berlinale

geschrieben am 11. Februar 2009 von Thorsten in Berlinale 2008

happytears_03Auch der siebente Tag der Internationalen Filmfestspiele Berlin hat Hollywood-Starpower in petto. Die Rede ist von Schauspielerin Demi Moore die zur Weltpremiere des Familiendramas “Happy Tears” anreist. Der Film von Mitchell Lichtenstein dreht sich um die Schwestern Jayne und Laura, die in ihr Elternhaus zurückkehren, als ihr über 70-jähriger Vater Hilfe braucht. Die Rückkehr zwingt die pflichtbewussten Schwestern auch, sich mit ihrer langweiligen Kindheit und dem keineswegs perfekten Familienleben auseinanderzusetzen. Während Laura meint, der Vater benötige jetzt eine Ganztagsbetreuung, glaubt Jayne nicht, dass es schon so schlecht um ihn steht. Jaynes Begabung, sich der Realität zu verweigern, steigert nur Lauras Bestreben, die Schwester auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Ihren Vater interessiert der Aktionismus der Töchter wenig. Joe singt und spielt den Blues auf seiner geliebten Gitarre, und als munterer Witwer hat er auch eine Geliebte, die schamlose und unverschämte Shelly. Doch mit Joes unübersehbar fortschreitender Senilität droht die innerfamiliäre Dynamik vollends aus den Fugen zu geraten. Während die Schwestern mit ihren eigenen, grundverschiedenen Partnerschaften zu tun haben, brechen die unterschwelligen Spannungen auf. Der randvolle Terminkalender von Laura, einer engagierten Umweltschützerin und Mutter dreier kleiner Kinder, und Jaynes Alltag als kinderlose Frau eines Workaholics und Kunsthändlers bergen viel Konfliktpotenzial. Die Abenteuer im Elternhaus sind nicht ohne Magie, richten aber auch beträchtlichen Flurschaden an. Am Ende ist unter den Tränen, die Jayne und Laura vergießen, auch so manche Glücksträne.
Der Film wird um 19:30 Uhr im Rahmen des Wettbewerbs im Berlinale-Palast zu sehen sein.

Wie üblich startet der Berlinale-Tag bereits um 16:30 Uhr. Zu sehen ist der rumänisch-britisch-ungarische Wettbewerbsbeitrag “Katalin Varga”, der unter anderem von Regisseur Peter Strickland auf dem Festival vorgestellt werden wird. Zum Inhalt: Katalin Varga wird von ihrem Mann hinausgeworfen, als er erfährt, dass er nicht der Vater Orbáns ist. So bleibt Katalin keine andere Wahl, als den leiblichen Vater zu finden, bevor ihr Sohn ohne Vater aufwächst. Unter dem Vorwand, die kranke Oma zu besuchen, brechen Mutter und Sohn zu einer Reise durch die Karpaten auf. Für Katalin bedeutet dies eine Rückkehr an einen Ort, zu dem sie nie im Leben wieder zurück wollte, der für immer mit der Erinnerung an ein Verbrechen verknüpft ist, dem sie elf Jahre zuvor zum Opfer fiel. Damals wurde Katalin hier von zwei Männern überfallen, jetzt ist diese Lichtung ein Ort, an dem Orbán unbekümmert spielt. Als sie in einem nahe gelegenen Dorf einen ihrer Angreifer wieder erkennt, beginnt Katalin mit dem Ahnungslosen einen Flirt. Obwohl ihm die Frau bekannt vorkommt, erkennt er Katalin nicht. Nachdem Katalin ihm die für sie furchtbaren Stunden in Erinnerung gerufen hat, bringt sie ihren Peiniger um. Sie beschließt, ihren Rachezug fortzusetzen. Antal, der Zweite im Bunde, lebt mittlerweile in einem anderen Dorf. Überstürzt müssen Katalin und Orbán aufbrechen, auch weil der Schwager ihres Opfers Rache geschworen hat. Ungefähr in diesem Augenblick schwant Orbán, dass es bei ihrer Reise nicht unbedingt um einen Besuch bei der kranken Oma geht. Der Mord hat Katalins Nerven strapaziert, auch das hoffnungsvolle Telefongespräch mit ihrem Mann setzt ihr zu. Zu guter Letzt erweist sich Antal keineswegs als das Ungeheuer, als das Katalin ihn in Erinnerung hat. Als sich Orbán mit Antal anfreundet und der vorschlägt, den Jungen für einige Zeit zu sich zu nehmen, weiß Katalin nicht, was sie tun soll.

Zum Abschluss des Tages wird es musikalisch, denn die Biographie über den verstornenen US-Hip-Hop-Star Notorious B.I.G. feiert um 22:30 Uhr bei der Berlinale seine Europapremiere. Der Film der der einfach den Namen “Notorious” trägt wird von Regisseur George Tillman Jr. und seiner Schauspielcrew, allen voran Angela Bassett, präsentiert. Zudem soll auch Voletta Wallace, die Mutter des verstobenen Hauptprotagonisten an den Feierlichkeiten teilnehmen.
Der Film erzählt die Lebensgeschichte von Notorious (Jamal Woolard), wie er weltberühmt wurde und fängt in der Schulzeit an. In seiner Kindheit ist er Stipendiat an einer katholischen Schule in Brooklyn. Seine umsorgende Mutter Voletta (Angela Bassett) versucht ihn von der Strasse fern zu halten, dennoch entwickelt er sich zum Drogendealer bis eines Tages plötzlich seine Freundin Jan (Julia Pace Mitchell) schwanger wird und sein Leben verändert. Die Geburt seiner Tochter zwingt ihn zum ständigen Broterwerb. Illegale Arbeit bringt ihn hinter Gittern, wo er seine ersten Reime aufschreibt. Wieder entlassen nimmt er ein Demotape auf, dass eher zufällig in die Hände von Sean ‘Puffy’ Combs (Derek Luke) landet, der ihn quasi über Nacht zum afroamerikanischen Kulturphänomen macht.

Forever Enthralled nimmt Mei Lanfang und die Pekinger Oper unter die Lupe

geschrieben am 10. Februar 2009 von Haiko in Berlinale 2008

20091172_2Historischer Film – die Zweite!
Er gehörte zu den bedeutendsten Darstellern und Erneuerern der Pekinger Oper: Mei Lanfang (1894 - 1961). Mei trat ausschließlich in Frauenkleidern auf und wurde dafür gehörig verachtet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts haben die Schauspieler den sozialen Rang einer Prostituierten. Er muss innerhalb des Theaters um Anerkennung kämpfen, denn der bei der Jugend beliebte Darstellungsstil ist für die anderen noch eine Herausforderung. Doch schließlich wird er in Asien berühmt und bekommt sogar Einladungen nach Amerika und darf am Broadway aufführen. Schließlich wollen die Japaner, die Besetzer seines Landes, ihn und damit die chinesische Kultur für sich gewinnen…

Der Regisseur Chen Kaige ist selbst kein Freund der Pekinger Oper, aber ihn verbindet ein Schlüsselmoment mit Mei Lanfang. Als er vier Jahre alt war, war er selber einmal bei ihm zuhause zu Gast gewesen, denn sein Vater war auch schon Filmemacher. Damals hätte weder Mei noch Chen auch nur geahnt, dass er später einmal einen Film über ihn drehen würde. Nach “Lebewohl, meine Konkubine”, für dem er die Goldene Palme in Cannes erhielt, führt er die Zuschauer erneut in die Welt der chinesischen Oper.

Das Monumentalwerk ist eine klassische Biografie eines der berühmtesten Pekinger Opern-Darsteller, der großen Ruhm durch seine Darstellungstechniken erlangte. Nicht nur in Asien, sondern auch auch auf der ganzen Welt fand er Anerkennung. Charlie Chaplin und Bertolt Brecht waren von seiner Kunst fasziniert. Es ist das Porträt eines mit einer Fistelstimme agierenden Darstellers und seinen Kampf um geschlechtliche, künstlerische und politische Identität.

Nach “Rage” hatte dieser Film den höchsten Fluchtfaktor bei der Pressvorführung gehabt und das soll schon was heißen. In Zeiten, in denen viele Identitätsschwierigkeiten haben, irgendwo auch topaktuell und trotz schönen Bildern leider zu lang und für uns Europäer zu fremd.

Faltige ausgediente Liebesdienerinnen und mittendrin Rupert Friend - Chéri

geschrieben am 10. Februar 2009 von Haiko in Berlinale 2008

20090077_1Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der beiden britischen Wettbewerbsbeiträge “London Rier” und “Chéri” und mit dem Beitrag der Volksrepublik China “Forever Enthralled” werden die historischen Dramen am 6. Berlinaletag ganz groß geschrieben.
“Chéri” ist der neue Film des britischen Regisseurs Stephen Frears. Die Handlung spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts im eleganten Paris. Nicht nur die Künstler, die Mode, Theater und Musik machen die französische Metropole berühmt, sondern auch die Straßendirnen. Durch ihren Erfahrungsschatz im Bett können sie den Kronprinzen, Herzögen und Industriebaronen viel Geld für ihre Dienste abknüpfen.

Michelle Pfeiffer spielt Léa, die sich inzwischen aus dem Gewerbe zurückgezogen hat. Beim Lunch mit der alten Kollegin Mme Peloux, die von Kathy Bates verkörpert wird, lernt Léa den Sohn von Mme Peloux kennen: Chéri, gespielt durch Rupert Friend. Die Mutter hat Großes mit ihrem Sohn vor, doch vorab muss ihr Sohn zum Mann gemacht werden. Sie bittet Léa sich seiner Ausbildung anzunehmen. Aus einem kleinen Flirt entfacht eine Leidenschaftliche Liebe und es entsteht eine sechsjährige Liaison, doch Mme Peloux hat bereits eine Ehe für ihren Sohn engagiert…

Stephen Frears wurde 2006 für seinen Film “The Queen” für einen Oscar nominiert und drehte 1988 bereits einen ähnlichen Film wie dieser namens “Dangerous Liaisons”. Damals hieß der Drehbuchautor ebenfalls Christopher Hampton und die Hauptdarstellerin auch Michelle Pfeiffer. Heute 20 Jahre später ist das Trio wieder auf der Berlinale und präsentiert eine erneute Verfilmung eines französischen Romans und auf dem Podium sieht Pfeiffer immer noch genauso hübsch aus wie damals. Was ist ihr Geheimnis? Sie achtet einfach auf sich, zieht sich öfter auch mal zurück und hat mit 30 das Rauchen aufgegeben, so die mittlerweile 50-Jährige.

Mit den vielen bunten Kostümen und dem originalgetreuen Setting wirkt der Ausstattungsfilm eigentlich wie ein Kammerspiel. Es handelt von ausgedienten Liebesdienerinnen und nicht standesgemäßen Beziehungen. Außergewöhnlich, dass Michelle Pfeiffer eine Person spielt, die mit ihrem eigenen Alter hadert … aber mit einem solchen Aussehen kann man es sich ja auch leisten. Traumhaft die genialen Dialoge von Hampton wie der Satz, dass Parfums auf faltiger Haut im Alter besser zur Geltung kommen. Das Gerüst war OK, dennoch kein hochkarätiges Festivalzelluloid.

Dienstag, 10. Februar - Tag sechs der 59. Berlinale

geschrieben am 10. Februar 2009 von Thorsten in Berlinale 2008

cheri_02Der sechste Tag wird ein “historischer” Berlinale-Tag.

“London River”, so lautet der Titel des ersten Wettbewerbsbeitrags. Die algerisch-französich-britische Produktion nimmt sich der Terroranschläge in London an - harter Tobak also gleich zu Beginn.
Am Morgen des 7. Juli 2005, kurz vor 9 Uhr und dann noch einmal genau eine Stunde später, explodieren in London insgesamt vier Bomben. Im dichten Berufsverkehr aktivieren vier Attentäter in öffentlichen Verkehrsmitteln ihre in Rucksäcken mitgeführten Sprengsätze - binnen weniger Minuten kommen dabei in drei U-Bahn-Zügen und einem Doppeldeckerbus 56 Menschen zu Tode, mehr als 700 werden verletzt. In einem später aufgefundenen Bekennervideo erklärt einer der islamistischen Terroristen, seine Gruppe befände sich mit der britischen Gesellschaft im Krieg. “London River” erzählt die Geschichte von Ousmane, einem Muslim, und von Mrs. Sommers, einer Christin. Ousmane lebt in Frankreich, Mrs. Sommers auf einer der englischen Kanalinseln. Beide führen ein ganz normales Leben - bis zu dem Tag, an dem sie erfahren, dass ihre Kinder seit “7/7″, dem Tag der Terroranschläge in London, als vermisst gelten. Erst in der britischen Hauptstadt erfahren sie, dass ihre Kinder dort zusammengelebt haben. Zwar unterscheiden sich Ousmane und Mrs. Sommers in Hinsicht auf ihr religiöses Bekenntnis und ihre kulturellen Hintergründe - doch teilen sie die gemeinsame Hoffnung, ihre Kinder lebend zu finden.
Die Teilname am Wettbewerb der Berlinale markiert zugleich die Weltpremiere des Dramas von Regisseur Rachid Bouchareb, der neben Anderen zur Vorstellung um 16:30 Uhr im Berlinale-Palast erwartet wird.

Um 19:30 Uhr erreicht das Star-Barometer am heutigen Tag seinen Höhepunkt, denn zur Premiere des britisch-deutsch-französischen Historien-Dramas “Chéri” wird niemand geringeres als Michelle Pfeiffer erwartet. Sie reist gemeinsam mit dem “Queen”-Regisseur Stephen Frears nach Berlin an. Klar dass sich die Schaulustigen dann ein weiteres Mal frühzeitig am Roten Teppich versammeln werden um einen Blick auf die Stars und wohlmöglich ein Autogramm zu erhaschen. Der Film erzählt die Geschichte einer tragischen Liebesgeschichte, bei der es nur Verlierer geben kann. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist Paris das mondäne Zentrum der Welt. Die Künstler, die Mode, Theater und Musik - hier ist man schon immer etwas weiter. Berühmt ist Paris aber auch für seine Kurtisanen, Frauen, die so schön, geistreich und erfahren in der Kunst der Liebe sind, dass Kronprinzen, Herzöge und Industriebarone sich ihr Vergnügen viel Geld kosten lassen. Eine von ihnen ist Léa, die sich mittlerweile ein angenehmes Leben leisten kann und sich aus dem Gewerbe zurückgezogen hat. Zum Lunch hat sie sich mit ihrer alten Kollegin Mme Peloux verabredet, einer ehemals gefeierten Schönheit, die das Alter zu einer missgünstigen Frau gemacht hat. Léa schätzt sie nicht besonders, weiß aber, was sie einer Kollegin schuldig ist. Mme Peloux kommt nicht allein. In ihrer Begleitung ist ein junger Mann, der sich als ihr Sohn herausstellt. Chéri, so nennt ihn seine Mutter, sieht blendend aus und genießt das sorgenfreie Leben einer wohlhabenden Jugend. Mme Peloux hat Großes mit ihrem Sohn vor, doch vorher muss Chéri zum Mann werden. Sie bittet Léa, sich seiner Ausbildung anzunehmen. Léa sagt zu, und was mit einem spielerischen Flirt beginnt, wird zu einer leidenschaftlichen Liebe; was eine mehrwöchige Lehre im Haus Léas werden sollte, wird zu einer sechsjährigen Liaison. Als Chéri allein zu seiner Mutter eingeladen wird und sich Léa erst später hinzugesellen soll, ahnt sie noch nicht, was ihr bevorsteht: Mme Peloux hat eine Ehe für ihren Sohn arrangiert, der Hochzeitstermin steht kurz bevor, und Léa sollen Braut und Bräutigam vorgestellt werden…

Am späten Abend startet um 22:15 Uhr schließlich der erste asiatische Beitrag in den Wettbewerb. Es handelt sich um das chinesische Historien-Drama “Forever Enthralled” unter der Regie des renommierten Filmemachers Chen Kaige. Eine der Haptrollen füllt asiens weiblicher Superstar Zhang Ziyi aus. Sie war bereits gestern kurz am Roten Teppich gesichtet worden, denn sie überreichte die Preise an die Shooting Stars 2009. Zhang Ziyi verbindet eine schon etwas längere Geschichte mit den Filmfestspielen in Berlin. Sie war bereits im Jahr 2000 für den Film The Road HomeGast des Festivals, damals an der Seite eines weiteren berühmten chinesischen Regisseurs, Zhang Yimou.
“Forever Enthralled” schildert die Lebensgeschichte des chinesischen Schauspielers und Sängers Mei Lanfang. In einem aufwendigen historischen Filmpanorama entfaltet sich sein Leben: Mei Lanfang entstammt einer alten Familie von Peking-Opern-Darstellern. Wie später er selbst tritt bereits sein Großvater Mei Qiaoling ausschließlich in Frauenrollen auf - und wird dafür gehörig verachtet. Schauspieler besitzen am Ende des 19. Jahrhunderts einen ähnlichen sozialen Rang wie Prostituierte. Doch auch innerhalb des Theaters muss Mei Lanfang um Anerkennung kämpfen. Zumal für den Schauspielveteran Swallow 13 ist sein neuer, bei der Jugend beliebter Darstellungsstil eine Herausforderung. Aus einem auf Leben und Tod geführten Inszenierungsduell der beiden Rivalen geht Mei Lanfang schließlich als Sieger hervor. Nachdem er bereits in Asien berühmt geworden ist, erhält er 1929 eine Einladung in die USA, aus der sich Auftritte sogar am Broadway ergeben. Doch für den beruflichen Erfolg zahlt er einen hohen Preis. Kurz darauf wird seine Bühnenpartnerin Meng Xiaodong, die in dem verheirateten Mann mehr als nur den professionellen Partner sieht, Opfer eines Mordanschlags, den Mei Lanfangs Freund Qiu Rubai in Auftrag gegeben hat. Er ist es auch, der Mei Lanfangs Weigerung, nach der Besetzung seines Landes durch die Japaner 1937 erneut in China aufzutreten, unterläuft, indem er dessen Rückkehr auf die Bühne öffentlich ankündigt. Als Mei Lanfang daraufhin an einer von den Japanern organisierten Pressekonferenz teilnimmt, stellt sich diese als der Gipfelpunkt seiner Laufbahn heraus…

Zu später Stunde noch Keanu Reeves

geschrieben am 9. Februar 2009 von Thorsten in Berlinale 2008

keanuHalb elf in der Nacht und der Potsdamer Platz befindet sich im Ausnahmezustund! Der Grund: Hollywood-Superstar Keanu Reeves beehrte die Berlinale mit seiner Anwesenheit und versetzte die vielen wartenden Fans in Ekstase. Bereits Stunden vorher säumten erste Schaulustige den Roten Teppich und harrten in der Kälte aus. Und als Reeves dann schließlich aus dem Auto ausstieg entlud sich die Spannung in einem Jubelsturm, der selbst den erfahrenen Schauspieler ein wenig zu überraschen schien. Allerdings gefiel ihm die Begeisterung, denn sichtlich gut gelaunt schrieb er unzählige Autogramme und schüttelte fleißig die Hände der wartenden Fans - so stellt man sich einen Star zum anfassen vor! Schauspielkollegin Robin Wright Penn und Regisseurin Rebecca Miller zogen sich hingegen schnell auf den Roten Teppich zurück, um für die Fotografen zu posieren und die vielen Interviewanfragen zu beantworten - diesen Pressemarathon musste Keanu Reeves natürlich auch noch über sich ergehen lassen, nachdem er sein Bad in der Menge beendete.
Anlass des Besuchs war die Weltpremiere des Dramas “The Private Lives of Pippa Lee”, die außer Konkurrenz im Berlinale-Wettbewerb gefeiert wurde.  Pippa Lee, eine Frau in mittleren Jahren, ist glücklich verheiratet, stolze Mutter zweier erwachsener Kinder, eine großzügige Gastgeberin und eine hervorragende Köchin. Mit ihrem 30 Jahre älteren Mann, dem legendären Großverleger Herb Lee, führt sie eine partnerschaftliche Ehe. Ganz selbstverständlich begleitet sie ihn darum auch in einen neuen Lebensabschnitt: Als Herb 80 wird, zieht das Paar aus dem New Yorker Luxusdomizil in eine formidable Rentnerenklave in Connecticut. Dies ist eine idyllische Welt, die dem Paar einen ruhigen Lebensabend in Aussicht stellt. Doch innerlich rebelliert Pippa Lee gegen diese Lebensperspektive - im Unterbewusstsein melden sich alte Reflexe. Denn Pippa Lee war nicht immer die souveräne, elegante Frau, als die man sie kennt. Hinter ihr liegen wilde Jahre - Drogenexperimente und erotische Eskapaden, Erfahrungen mit einer tablettensüchtigen Mutter, der Selbstmord einer einstigen Rivalin. Bislang schien es so, als hätte sie mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen, doch in der sterilen Welt des Rentnerparadieses gewinnen die Sünden der Jugend neue Attraktivität. Pippa beginnt wieder zu rauchen und als sie die Bekanntschaft eines attraktiven Mannes macht, stellen sich auch romantische Sehnsüchte ein. Pippa Lee muss sich ihrer Vergangenheit stellen, wenn sie zum Kern ihrer Persönlichkeit vordringen will, dem sie bislang immer ausgewichen ist.

Lässig - Woody Harrelson stattet der Berlinale einen Besuch ab

geschrieben am 9. Februar 2009 von Thorsten in Berlinale 2008

woodyUm 19 Uhr zog wieder einmal ein wenig Hollywood-Glanz am Potsdamer Platz ein. Nach der Ankunft der Shooting Stars 2009 betrat Woody Harrelson stilecht den Roten Teppich. Stilecht bedeutet bei dem Hollywoodstar ein Anzug gepaart mit einem Basecap, welches er zudem auch noch verkehrt herum trug - er ist halt einfach ein lustiger Typ. Begleitet wurde er unter anderem von Schauspielkollege Ben Foster und Regisseur Oren Moverman sowie Steve Buscemi, der damit bereits zum dritten Mal den Roten Teppich der Berlinale betrat. Gemeinsam stellten sie den amerikanischen Wettbewerbsbeitrag “The Messenger” vor.
Das Kriegsdrama der anderen Art dreht sich um den US-Soldaten Will, gespielt von Ben Foster. Er hat einen Militäreinsatz im Irak und längere Aufenthalte in diversen Armeelazaretten hinter sich, denn der Einsatz im Nahen Osten hat ihm einige Verwundungen eingebracht. Nicht nur sein Körper hat Narben davongetragen: weil seine Freundin zu Hause ihr Leben lebt, ist er auch seelisch verletzt. Will hat noch drei Monate Dienstzeit vor sich. Doch eine erste Chance zu einem Neubeginn ergibt sich bereits, als er ins Casualty Notification Office versetzt wird. Hinter dem schönen Euphemismus verbirgt sich jene Dienststelle, die die Angehörigen getöteter Soldaten vom Ableben der Gefallenen zu informieren hat. Selbst nur knapp dem Tode entkommen, übermittelt Will fortan Todesnachrichten - mit Tony, alias Woody Harrelson steht ihm dabei ein älterer, erfahrener Offizier zur Seite. In Anbetracht ihrer traurigen Dienstleistungen entwickelt sich zwischen den beiden Männern so etwas wie eine solidarische Verbundenheit, die ihnen helfen soll, ins “normale” Leben zurückzukehren - auch wenn sie wissen, dass es für sie eine Normalität nicht mehr geben wird. Oder womöglich doch? Denn eines Tages kommt Will über seine neue Aufgabe mit einer jungen Witwe in Kontakt. Dass er sich in die Frau eines getöteten Kameraden verliebt hat, stürzt ihn kurz darauf allerdings zunächst einmal in ein moralisches Dilemma …
Harrelson zeigte sich bei der Premiere jedoch leider wenig fanfreundlich - mehr als ein Lächeln und ein kurzes Winken hatte er für die Schaulustigen nicht übrig, bevor er sich den Fotografen und Interviewanfragen auf dem Roten Teppich stellte.