Die Gewinner der 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin
geschrieben am 14. Februar 2009 von Haiko in Berlinale 2008
Und hier die Gewinner der 59. Berlinale. Allen Gewinner herzlichen Glückwunsch!
Goldener Bär für den Besten Film
“La teta asustada” (”The Milk Of Sorrow”) von Claudia Llosa
Silberner Bär - Großer Preis der Jury
“Alle Anderen” (”Everyone else”) von Maren Ade
ex aequo
“Gigante” von Adrián Biniez
Silberner Bär - Beste Regie
Asghar Farhadi für “Darbareye Elly” (”Alles über Elly”)
Silberner Bär - Beste Darstellerin
Birgit Minichmayr in “Alle Anderen” (”Everyone else”) von Maren Ade
Silberner Bär - Bester Darsteller
Sotigui Kouyate in “London River” von Rachid Bouchareb
Silberner Bär - Herausragende künstlerische Leistung
Wir Filmemacher vergessen manchmal die besondere Fähigkeit des Sounds, Atmosphären zu schaffen; und sehr oft verwenden wir den Sound auf eine vorhersehbare Weise. Die Art, wie dieser Film seine düstere Erzählung um ein starkes Sound-Design herum aufbaut, hat eine große Originalität, Experimentierfreude und Risikobereitschaft. Der Silberne Bär für eine herausragende künstlerische Leistung geht an:
Gábor Erdély und Tamás Székely für das Sound-Design in “Katalin Varga” von Peter Strickland
Silberner Bär - Bestes Drehbuch
Die Jury zeichnet ein Drehbuch aus, das uns an einer speziellen Erfahrung teilhaben lässt, eine Erfahrung die oft übersehen oder verborgen wird.
Wir wollen mit dem Preis Produzenten, Verleiher und das Publikum in aller Welt ermutigen, nach Möglichkeiten zu suchen, wie unser Horizont erweitert werden kann. Wir wollen außerdem mit dem Preis die Besonderheit des Kinos würdigen, uns Geschichten zu erzählen, an die kein anderes Medium sich herantraut. Die Jury verleiht den Silbernen Bären für das beste Drehbuch an:
Oren Moverman und Alessandro Camon für “The Messenger” von Oren Moverman
Alfred-Bauer-Preis
Die Jury hat einstimmig entschieden, den diesjährigen Alfred-Bauer-Preis an zwei Filme und zwei Regisseure zu verleihen. Einer dieser Regisseure ist ein Altmeister, der auf eine bereits sechzigjährige Erfahrung als Filmemacher zurückblickt. Doch er ist jung und geistig mutig geblieben, was die Entwicklung neuer filmischer Ausdrucksmöglichkeiten anbelangt. Er zögert auch nicht, sich selbst als Figur in seinem neuen Film mit einzubringen.
Der andere Regisseur ist ein junger Mann, der mit seinem ersten Spielfilm nach Berlin gekommen ist.
Beide sind vom gleichen leidenschaftlichen Willen angetrieben, die Filmsprache weiter zu entwickeln, um die wichtigen Geschichten über unsere Zeit und die Grundbedingungen menschlichen Daseins zu erzählen. Die Jury verleiht den Alfred-Bauer-Preis an:
“Gigante” von Adrián Biniez
ex aequo
“Tatarak” (”Der Kalmus”) von Andrzej Wajda
Die Berliner Bildhauerin Renée Sintenis (1888-1965) hat die Bären-Trophäen entworfen, die auch das Berlinale-Logo zieren. Seit der Gründung des Festivals werden die Bären von der Berliner Gießerei Noack hergestellt. Der Bär ist das Wappentier Berlins.
Als Anne ihren Ehemann, den Bandleader Dan Deveraux, beim Ehebruch erwischt, schnappt sie sich ihre beiden Söhne George und Robbie, kauft sich einen glänzend brandneuen „El Dorado“-Cadillac und macht fortan die Highways unsicher. Das Trio reist von Stadt zu Stadt, ständig auf der Suche nach Bargeld, und Anne sucht nach einem neuen Ehemann und damit auch nach einem neuen Ernährer.
Yo, endlich bekommt die Berlinale auch den richtigen Soundtrack. Klar ist die Aussage durch den eigenen Musikgeschmack motiviert, ich saß im Kino, den Kopf zum Beat bewegend und was machten die anderen Journalisten? Gähnende Starrheit, scheinbar waren ihre Körper unbiegsam, neben mir wurde sogar geschlafen. Nahmen jene Journalisten den Film vielleicht zu ernst? Haben sie hinter jeder Szene vielleicht vergebens versucht das Künstlerische zu finden? Sicher sollte man von einem Film, der auf einem Festival wie die Berlinale läuft, einen gewissen künstlerischen Anspruch erwarten dürfen, obzwar “Notorious” nie versucht hatte DAS cineastische Meisterwerk zu werden und in das Rennen um die Bären geht er eh nicht, da er außer Konkurrenz läuft.
Die Filmstudios haben scheinbar keine Angst mehr Stoffe vom Altwerden zu realisieren, nach dem Independent-Erfolg von “Die Geschwister Savage” und dem exzellenten “An ihrer Seite” zeigt Mitchell Lichtenstein in seinem dritten Film ebenfalls einen Demenzkranken. Doch auch hier steht die Krankheit nicht im Vordergrund, sondern auf den Angehörigen liegt der Fokus, die mit der Erkrankung umgehen müssen. Um das durchstehen zu können, müssen sie sich wieder den fremd gewordenen Familienmitgliedern annähern.
Auch der siebente Tag der Internationalen Filmfestspiele Berlin hat Hollywood-Starpower in petto. Die Rede ist von Schauspielerin Demi Moore die zur Weltpremiere des Familiendramas “Happy Tears” anreist. Der Film von Mitchell Lichtenstein dreht sich um die Schwestern Jayne und Laura, die in ihr Elternhaus zurückkehren, als ihr über 70-jähriger Vater Hilfe braucht. Die Rückkehr zwingt die pflichtbewussten Schwestern auch, sich mit ihrer langweiligen Kindheit und dem keineswegs perfekten Familienleben auseinanderzusetzen. Während Laura meint, der Vater benötige jetzt eine Ganztagsbetreuung, glaubt Jayne nicht, dass es schon so schlecht um ihn steht. Jaynes Begabung, sich der Realität zu verweigern, steigert nur Lauras Bestreben, die Schwester auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Ihren Vater interessiert der Aktionismus der Töchter wenig. Joe singt und spielt den Blues auf seiner geliebten Gitarre, und als munterer Witwer hat er auch eine Geliebte, die schamlose und unverschämte Shelly. Doch mit Joes unübersehbar fortschreitender Senilität droht die innerfamiliäre Dynamik vollends aus den Fugen zu geraten. Während die Schwestern mit ihren eigenen, grundverschiedenen Partnerschaften zu tun haben, brechen die unterschwelligen Spannungen auf. Der randvolle Terminkalender von Laura, einer engagierten Umweltschützerin und Mutter dreier kleiner Kinder, und Jaynes Alltag als kinderlose Frau eines Workaholics und Kunsthändlers bergen viel Konfliktpotenzial. Die Abenteuer im Elternhaus sind nicht ohne Magie, richten aber auch beträchtlichen Flurschaden an. Am Ende ist unter den Tränen, die Jayne und Laura vergießen, auch so manche Glücksträne.
Historischer Film – die Zweite!
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der beiden britischen Wettbewerbsbeiträge “London Rier” und “Chéri” und mit dem Beitrag der Volksrepublik China “Forever Enthralled” werden die historischen Dramen am 6. Berlinaletag ganz groß geschrieben.
Der sechste Tag wird ein “historischer” Berlinale-Tag.
Halb elf in der Nacht und der Potsdamer Platz befindet sich im Ausnahmezustund! Der Grund: Hollywood-Superstar Keanu Reeves beehrte die Berlinale mit seiner Anwesenheit und versetzte die vielen wartenden Fans in Ekstase. Bereits Stunden vorher säumten erste Schaulustige den Roten Teppich und harrten in der Kälte aus. Und als Reeves dann schließlich aus dem Auto ausstieg entlud sich die Spannung in einem Jubelsturm, der selbst den erfahrenen Schauspieler ein wenig zu überraschen schien. Allerdings gefiel ihm die Begeisterung, denn sichtlich gut gelaunt schrieb er unzählige Autogramme und schüttelte fleißig die Hände der wartenden Fans - so stellt man sich einen Star zum anfassen vor! Schauspielkollegin Robin Wright Penn und Regisseurin Rebecca Miller zogen sich hingegen schnell auf den Roten Teppich zurück, um für die Fotografen zu posieren und die vielen Interviewanfragen zu beantworten - diesen Pressemarathon musste Keanu Reeves natürlich auch noch über sich ergehen lassen, nachdem er sein Bad in der Menge beendete.
Um 19 Uhr zog wieder einmal ein wenig Hollywood-Glanz am Potsdamer Platz ein. Nach der Ankunft der Shooting Stars 2009 betrat Woody Harrelson stilecht den Roten Teppich. Stilecht bedeutet bei dem Hollywoodstar ein Anzug gepaart mit einem Basecap, welches er zudem auch noch verkehrt herum trug - er ist halt einfach ein lustiger Typ. Begleitet wurde er unter anderem von Schauspielkollege Ben Foster und Regisseur Oren Moverman sowie Steve Buscemi, der damit bereits zum dritten Mal den Roten Teppich der Berlinale betrat. Gemeinsam stellten sie den amerikanischen Wettbewerbsbeitrag “The Messenger” vor.