Berlinale 2008

Stars, Musik und große Emotionen - Der Abschluß der 58. Berlinale

geschrieben am 17. Februar 2008 von Haiko in Berlinale 2008

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Am Samstag Abend gingen die 58. Internationalen Filmfestspiele von Berlin mit der Verleihung der Bären auf einer großen Abschlussgala im Berlinale Palast zu Ende. 1600 Gäste wurden zur feierlichen Gala erwartet, wo dann ab 19 Uhr die Internationale Jury unter Vorsitz des Jury-Präsidenten Costa-Gavras die Gewinner des Goldenen und der Silbernen Bären sowie des Besten Erstlingsfilms verkündeten. Zum musikalischen Programm des Abends gehört der Auftritt des Jazz-Trompeters Till Brönner. Durch die Preisverleihung führt die Moderatorin Katrin Bauerfeind.

Und hier die Preise der 58. Berlinale:

Goldener Bär für den Besten Film
“Tropa de elite” von José Padilha

Silberner Bär - Großer Preis der Jury
“Standard Operating Procedure” von Errol Morris

Silberner Bär - Beste Regie
Paul Thomas Anderson für “There Will Be Blood”

Silberner Bär - Beste Darstellerin
Sally Hawkins in “Happy-Go-Lucky” von Mike Leigh

Silberner Bär - Bester Darsteller
Reza Najie in “Avaze Gonjeshk-ha” von Majid Majidi

Silberner Bär - Herausragende künstlerische Leistung (Musik)
Jonny Greenwood für “There Will Be Blood” von Paul Thomas Anderson

Silberner Bär - Bestes Drehbuch
Wang Xiaoshuai für “Zuo You”

Alfred-Bauer-Preis
“Lake Tahoe” von Fernando Eimbcke

Goldener Ehrenbär
Francesco Ros

Berlinale Kamera
Karlheinz Böhm
Otto Sander

Bester Erstlingsfilm
“Asyl – Park and Love Hotel” von Kumasaka Izuru

Allen Preisträgern: einen herzlichen Glückwunsch!

Zu den prominenten Gästen des Abends zählt neben den Preisträgern auch der Regisseur des Abschlussfilms Be Kind Rewind Michel Gondry.
Weitere Gäste sind Alexander Kluge, Christian Petzold, Volker Schlöndorff, Wim Wenders, Hiam Abbas, Mario Adorf, Meret Becker, Iris Berben, Martina Gedeck, Sibel Kekilli, Nicolette Krebitz, Peter Lohmeyer, Heike Makatsch, Maria Schrader, Sabine Timoteo, Juan Luis Buñuel, Jürgen Vogel, Francesco Rosi, Jessica Schwarz, Oskar Roehler, Katrin Saß, Christian Ulmen, August Diehl, Chris Kraus, Vanessa Jopp, Brian De Palma, sowie der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit, der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin Walter Momper und Staatssekretär André Schmitz.

Die 58. Berlinale in Zahlen und Fakten

Mehr als 20.000 Akkreditierte aus 125 Ländern, darunter 4.200 Journalisten kamen zum Festival. Rund 430.000 Kinobesuche fanden statt, davon bekam das Publikum 230.000 Tickets. Nach dem grandiosen Auftakt mit den Rolling Stones, zählte sicherlich das Regie-Debüt von Madonna zu den Höhepunkten. Bollywood-Star Shah Rukh Khan wurde so umjubelt wie Hollywood-Beauty Scarlett Johansson… da freuen wir uns doch schon jetzt wieder auf das nächste Jahr, denn der Termin für die 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin steht auch schon fest: sie finden vom 5. bis zum 15. Februar 2009 statt.

Bis zum nächsten Jahr,
Euer SERF

Samstag, 16. Februar - Tag zehn der 58. Berlinale

geschrieben am 16. Februar 2008 von Thorsten in Berlinale 2008

bekind.jpgNachdem der eigentliche Wettbewerb bereits gestern mit dem Drama “Ballast” abgeschlossen wurde, wird am heutigen Abend noch der Abschlussfilm “Be Kind Rewind” außer Konkurrenz gezeigt. Der Film sollte eigentlich einen würdigen Abschluss des Festivals darstellen und nochmals den Promi-Faktor erhöhen, denn mit Jack Black, Mos Def und Danny Glover waren weitere Hollywoodstars angekündigt. Wie es scheint wird nun allerdings lediglich Regisseur Michel Gondry zur Premiere des Films, die um 19.00 Uhr im Berlinale-Palast von statten gehen soll, anwesend sein.
Die Komödie dreht sich um die Freunde Jerry (Jack Black) und Mike (Mos Def), die sich von klein auf kennen. Jerry ist der Mechaniker der Gegend, er lebt in einem Wohnwagen und hasst das benachbarte Kraftwerk, das ihn, da ist er sich sicher, mit Strahlung und Elektrosmog einmal umbringen wird. Auf der anderen Straßenseite wohnt Mike. Er arbeitet in der örtlichen Videothek, die Mr. Fletcher gehört, der ein großer Fats-Waller-Fan ist. Der legendäre Jazzpianist hat einst in dieser Gegend gelebt, weshalb Fletcher einen Ausflug zum Gedenken an ihn unternimmt. In der Zwischenzeit soll Mike auf den Laden aufpassen und dabei besonders auf Jerry achten, der – einmal in Fahrt – immer großen Flurschaden anrichtet. Ausgerechnet an diesem Abend denkt Jerry, dass es Zeit ist, das smogspeiende Kraftwerk mit einem Anschlag lahmzulegen. Dabei setzt sich Jerry so unter Strom, dass das elektromagnetische Feld, das ihn umgibt, noch am nächsten Vormittag ausreicht, um die Filme in Fletchers Videothek zu zerstören. Was tun? Die einzige Möglichkeit, Fletchers Filmschatz wiederherzustellen, scheint in der Produktion von Remakes zu liegen. Und so machen sich Mike und Jerry daran, Instantfassungen der beliebtesten Videos zu produzieren. Was keiner für möglich hielt, tritt ein – die Remakes sind beliebter als die Originale. Die Nachfrage steigt und setzt die Jungfilmer unter einen erheblichen Produktionsdruck. Die Geschäfte blühen, die kleine Stadt liebt die Filme der Freunde und unterstützt die Remakeproduktion, so gut es geht. Es dauert nicht lange, da haben auch Hollywoods Urheberrechtsfüchse vom Boom in der Provinz gehört. Rechtsansprüche werden geltend gemacht, die Fletchers kleine Videothek in ihrer Existenz bedrohen. Ein Plan muss her! Vielleicht sollte man etwas mit Fats Waller machen …

Zuvor werden wie jedes Jahr die diesjährigen Gewinner der Bären in einer feierlichen Zeremonie geehrt.

Der abschließende Sonntag steht dann wie üblich im Zeichen der Kinofans und Filmfreunde. Am Berlinale Kinotag werden wie in jedem Jahr zum Einheitspreis von nur sechs Euro in allen Sektionen und allen Spielstätten Filme der diesjährigen Berlinale gezeigt - von morgens bis in die späte Nacht hinein.

Hollywood-Trio Johansson, Portman und Bana kamen persönlich

geschrieben am 16. Februar 2008 von Haiko in Berlinale 2008

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Am Abend feierte “Die Schwester der Königin” Weltpremiere im Berlinale Palast und neben den Hauptdarstellern Scarlett Joahnsson, Natalie Portman und Eric Bana kam der Regisseur Justin Chadwick, sowie die Autorin der Romanvorlage Philippa Gregory mit ihrem Sohn Axel. Scarlett, Natalie und Eric ließen sich viel Zeit für ihre Fans und gaben zahlreiche Autogramme. Natürlich durfte die deutsche Prominenz auch nicht fehlen: der deutsche Hollywood-Kameramann Michael Ballhaus kam ebenfalls. “Die Schwester der Königin” startet am 06.03. in den deutschen Kinos.

Foto: Universal Pictures International Germany GmbH

Die Schwester der Königin - Fototermin

geschrieben am 16. Februar 2008 von Marco in Berlinale 2008

Die Schwester der Königin - Fototermin
Abseits der Berlinale fand gestern ein extra Fototermin zum Film “Die Schwester der Königin” statt. Ort war der Bärensaal, Altes Stadthaus im Ministerium des Inneren. Scarlett Johansson, Natalie Portman und Eric Bana trafen nach 22 Uhr ein, nachdem sie im Berlinale Palast ihren Film dem Publikum vorgestellt hatten. Auch der Regisseur Justin Chadwick sowie die Drehbuchautorin Philippa Gregory kamen. Im Stadthaus selbst wurde dann gefeiert. Auch einige deutsche Stars wie Mario Adorf ließen sich blicken. Die Fotogalerie gibt es bei Moviereporter zu sehen.

Die hübschen Boleyn-Schwestern auf der Pressekonferenz

geschrieben am 16. Februar 2008 von Haiko in Berlinale 2008

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Selbstverständlich stand der Freitag ganz im Zeichen der drei Hollywood-Talente Scarlett Johansson, Natalie Portman und Eric Bana, die gemeinsam mit ihrem Regisseur Justin Chadwick den außer Konkurrenz laufenden “Die Schwester der Königin” präsentierten, “The Other Boleyn Girl” der amerikanischen Schriftstellerin Philippa Gregory diente hierzu als Romanvorlage. Gregory verwertete für ihren Roman einen historischen Stoff, denn die zweite Ehefrau von König Heinich VIII, Anne Boleyn, wurde 1536 im Tower enthauptet. Anne hatte eine Schwester, Mary Boleyn, die - soweit man der Überlieferung glauben kann - zweitweise ebenfalls Geliebte des Königs gewesen sein soll. Daraus konstruierte Gregory ein Schwesterndrama, das von Intrigen, Romanzen und Verrat nur so strotzt.
Das ganze spielt im England des 16. Jahrhunderts. Natalie Portman spielt Anne, Scarlett Johansson Mary und der australische Schauspieler Eric Bana mimt den König. Als die Ehe des Königs zu zerbrechen droht, wird Anne von ihrem ehrgeizigen Vater und Onkel dazu getrieben, um die Zuneigung des englischen Königs zu buhlen. Doch was Macht bringen und den eigenen Status der Familie erhöhen sollte, endet bald in eine skrupellose Rivalität zwischen Anne und Mary, beide wollen nämlich die Liebes des Königs erobern…

Nicht schlecht diese Kostüm-Kronjuwel, wenn man bedenkt, dass “Die Schwester der Königin” das Spielfilmdebüt des in England geborenen Chadwick war. Portman stieg in das Projekt ein, weil sie endlich einmal einen Film mit der Schauspielerin machen wollte, die sie sehr bewundert. Und Scarlett gab die Komplimente gleich zurück, sie hätte durch die Zusammenarbeit mit Natalie und Eric viel lernen können. Und wie war es die farbenfrohen Kostüme zu tragen? Natalie sagte, sie wären nicht sehr komfortabel gewesen, aber für die Entwicklung der Charakteren hilfreich. Und Johansson bestätigte: “Die Kostüme waren wie ein eigener Charakter. Es war interessant zu sehen, wie sie uns in die damalige Zeit zurückversetzten und unser Spiel veränderten.” Doch sie betonte noch, dass es nicht gerade ihre Lieblingsbeschäftigung wäre, um 6 Uhr 30 aufzustehen und sich in ein Korsett pressen zu lassen.

Eric Bana stotterte noch einige Sätze auf deutsch: “Ich weiß net, was ich sagen soll” und erklärte, dass seine Mutter aus der Nähe von Mannheim kommt. Er freute sich über die Zusammenarbeit mit den beiden Hollywood-Engeln: “Sie hatten mich wie einen König behandelt gehabt.”

Und wofür würden sich die beiden Damen im richtigen Leben eher entscheiden, für die Macht oder die Liebe? Natalie überlegt kurz und ruft in die Menge “Für die Macht”, alles lacht. Und Scarlett? Sie versteht erst die Frage gar nicht so richtig und stammelt dann: “I – I – I – I – I – I believe in the power of love, Baby!”

Die fesselnde, historische verbürgte Tragödie startet als opulentes, herzergreifendes Kostümdrama am 06.03. in den deutschen Kinos.

Foto: Universal Pictures International Germany GmbH

Freitag, 15. Februar - Tag neun der 58. Berlinale

geschrieben am 15. Februar 2008 von Thorsten in Berlinale 2008

dieschwesterderkoenigin_07.jpgDas Highlight des neunten Berlinaletages bildet zweifelsohne die amerikanisch-britische Co-Produktion “Die Schwester der Königin” von Regisseur Justin Chadwick, denn der Beitrag, der außer Konkurrenz auf dem Festival gezeigt wird, bietet einmal mehr Hollywoodglanz pur. Neben dem Regisseur werden die Hauptdarsteller des Films, Scarlett Johannson, Natalie Portman und Eric Bana für die Premiere des Films, die um 19.30 Uhr im Berlinale-Palast stattfinden wird, erwartet. Das Historiendrama, dass auf dem gleichnamigen Bestseller von Autorin Philippa Gregory basiert, blickt hinter die Kulissen der Geschichtsschreibung: Aufgestachelt durch den Ehrgeiz ihrer Familie werden die beiden wunderschönen Schwestern Anne (Natalie Portman) und Mary (Scarlett Johansson) Boleyn zu Rivalen im Kampf um Gunst und Liebe des Königs von England, Heinrich VIII. (Eric Bana). Es beginnt ein faszinierendes Spiel der Intrigen und bald eint zwar beide Schwestern die Liebe zum König, aber nur eine von ihnen wird für kurze Zeit zur Königin. Es ist die aufregende Geschichte Anne Boleyns aus der Sicht ihrer Schwester - ein prachtvolles Puzzle aus Verrat, Leidenschaft und Liebe. Europa im religiösen Umbruch und die Tücken des Lebens am Hof sind die Leinwand für dieses sinnliche Gemälde des 16. Jahrhunderts.

Als erster Beitrag des Tages ist ein weiterer Film zu sehen, der während der Berlinale außer Konkurrenz läuft - die Rede ist von dem polnischen Weltkriegsdrama “Katyn”, das von Ehrenbär-Preisträger Andrzej Wajda in Szene gesetzt wurde.  Der Film erzählt die Geschichte jener polnischen Offiziere, die vom sowjetischen Geheimdienst NKWD im Frühjahr 1940 bei Katyń ermordet wurden, sowie vom Schicksal ihrer Familienangehörigen, die oft jahrelang auf die Heimkehr ihrer Ehemänner, Väter, Söhne oder Brüder warteten. Nach dem Überfall durch die deutsche Wehrmacht am 1. September 1939 und der Besetzung Ostpolens durch die Rote Armee als Folge des Hitler-Stalin-Pakts wenige Wochen später gerieten alle Offiziere der polnischen Armee – aber auch zahlreiche Reservisten, Polizisten und Intellektuelle – in sowjetische Gefangenschaft.

Der einzige Wettbewerbsbeitrag des heutigen Tages hat am späten Abend seine Premiere. Das US-Drama von Lance Hammer ist gleichzeitig der letzte Betrag, der ins Rennen um den begehrten Goldenen Bären geht. Der Film dreht sich um einen jungen Drogenkurrier, eine besorgte Mutter und um einen unlösbaren Konflikt. Das winterliche Mississippi-Delta liefert den Hintergrund für dieses sozial-realistische Drama aus dem Süden der USA. Hier leben der zwölfjährige James (JimMyron Ross) und seine Mutter Marlee (Tarra Riggs), die hart darum kämpfen muss, den gemeinsamen Lebensunterhalt zu verdienen. Viele Stunden am Tag verbringt sie mit schlechtbezahlter Arbeit, James ist dann sich selbst überlassen. Bei seinen Streifzügen durch die Umgebung schließt der Junge Bekanntschaft mit einer Gruppe Teenager, bei denen er Eindruck schinden möchte. Deshalb erklärt sich James auch bereit, mit seinem Motorrad gelegentlich Drogen zu transportieren, was seine neuen Frende sehr zu schätzen wissen.
Doch dann droht James das Opfer einer Gewalttat seitens seiner neuen Freunde zu werden. Daraufhin schnappt sich Marlee den Jungen und flieht mit ihm nachts über das Wasser zu Lawrence (Micheal J. Smith Sr.), einem Mann mittleren Alters, der 15 Meilen entfernt traurig und einsam auf einem kleinen Anwesen lebt. Einerseits finden sie hier Sicherheit - andererseits bricht damit aber auch ein bösartiger und unlösbarer Konflikt wieder auf, der seit James’ Geburt zwischen Lawrence und Marlee besteht. Zwar hat Lawrence für sein eigenes Leben keinerlei Hoffnung mehr, zwar lastet eine schwere Schuld auf dem selbstmordgefährdeten Mann, doch nun ist das Leben eines Kindes in Gefahr - eines Kindes, dem er von Nutzen sein kann.

Donnerstag, 14. Februar - Tag acht der 58. Berlinale

geschrieben am 14. Februar 2008 von Thorsten in Berlinale 2008

feuerherz_06.jpgDer Valentinstag beginnt mit dem herzergreifenden Drama “Feuerherz”. Darin wird die schockierende Geschichte der eritreischen Kindersoldatin Awet geschildert. Eritrea, Anfang der 80er Jahre. Das Mädchen Awet wird als Kleinkind von ihrer Mutter verlassen und wächst – mitten in den Wirren des Unabhängig­keits­krieges Eritreas gegen Äthiopien – in einem Waisenhaus in Asmara auf. Sie wird von italienischen Schwestern im katholischen Glauben erzogen. Schon früh zeigt sich ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, schon als kleines Mäd­chen versucht sie sich durchzusetzen und gegen Unrecht zu protestieren.
Nach einigen Jahren holt ihr verschwunden geglaubter Vater sie zu sich und seiner neuen Familie. Aber dort ist Awet nicht willkommen. Ihr Vater schikaniert sie und übergibt sie schließlich zusammen mit ihrer Schwester an eine der eritreischen Befreiungsarmeen. Die beiden Mädchen kommen in ein Lager, in dem sie zu Soldaten ausgebildet werden sollen. Awet muss sich an ein hartes Leben gewöhnen. Hunger, Einsamkeit und die viele Arbeit im Lager machen ihr das Überleben schwer. Awet erlebt den ganzen Wahnsinn des Krieges und wird konfrontiert mit Tod und Fanatismus. Doch ihr “Feuerherz”, ihr Mut und ihr Gewissen weisen ihr einen Weg aus einem schrecklichen Schicksal.
“Feuerherz” wurde in der eritreischen Landessprache Tigrinya gedreht. Regisseur Luigi Falorni: “Nachdem die eritreische Regierung die Drehgenehmigung blockierte, haben wir die Dreharbeiten in Nairobi vorbereitet, weil in Kenia die größte emigrierte eritreische Volksgruppe lebt. Beim Casting waren sowohl die Beherrschung der Landessprache Tigrinya als auch die noch vorhandene Bindung an die eritreischen Traditionen und Lebensart die entscheidenden Kriterien.”
Zur Premiere, die um 16.30 Uhr im Berlinale-Palast von statten gehen wird, sind neben dem Regisseur unter anderem die Produzenten Sven Burgemeister und Andreas Bareiß sowie Günter Haverkamp, ein Mitglied der Aktion Weißes Friedensband, geladen.

Seine Fortsetzung findet der heutige Wettbewerbstag um 19.30 Uhr in dem Drama “Restless”. Darin geht es um einen Mann, der seine Vergangenheit hinter sich lassen will und doch unverhofft wieder von ihr eingeholt wird: Moshe ist am Ende. Die vielen kleinen Geschäfte, die er in New York betreibt, geben nichts mehr her. Vor 20 Jahren war Moshe ein einigermaßen erfolgreicher Schriftsteller in Israel. Zu seinem Leidwesen war die öffentliche Resonanz auf seine Arbeit allerdings nicht so groß, wie er sie verdient zu haben glaubte. Als dann auch noch sein Sohn zur Welt kam, gewann das Gefühl, in eine Falle geraten zu sein, endgültig Oberhand. Enttäuscht verließ er das Land und ging nach Amerika. Dort wollte er versuchen, sein Glück zu machen. An das, was hinter ihm lag, verschwendete er keinen einzigen Gedanken mehr.
Tzach dient als Soldat in einer Elite-Einheit der israelischen Armee. Er ist ein Draufgänger, der bewusst das Risiko sucht – als gäbe es da eine innere Verletzung zu überwinden. Dann stirbt eines Tages seine Mutter, und der junge Mann, der ohne Vater aufwuchs, findet zwischen ihren Papieren die Adresse des Mannes, dem er sein Erdendasein verdankt. Tzach entschließt sich, den Kontakt zu ihm aufzunehmen, jetzt wo der ganze Groll, der all die Jahre in ihm geschlummert hat, wieder aufbricht.
Als Tzach sich bei ihm meldet, verändert das radikal Moshes Leben. Seine gesamte Existenz, die auf der Verleugnung der Vergangenheit beruht, gerät dadurch ins Wanken. Fortan befinden sich Vater und Sohn auf einem Kollisionskurs nicht allein mit dem Schicksal – auch zwischen ihnen beiden wird es zur Konfrontation kommen. Und Moshe muss erfahren, dass er vor den Sünden der Vergangenheit nicht fliehen kann, so sehr er es auch möchte.
Der Regisseur Amos Kollek sowie die Hauptdarsteller Moshe Ivgy und Ran Danker werden für die Präsentation von Festivalleiter Dieter Kosslick erwartet.

“Il y a longtemps que je t’aime…”, so lautet der Titel des heutigen Abschlussfilms. Regisseur Philippe Claudel über sein Drama: “Dies ist ein Film über die Stärke der Frauen, über ihre Fähigkeit zu strahlen, sich neu zu erfinden, neu aufzuleben. Es ist eine Geschichte über unsere Geheimnisse und das Eingesperrtsein. Unser Eingesperrtsein.”
Nach 15 Jahren Haft wird Juliette (Kristin Scott Thomas) aus dem Gefängnis entlassen. 15 Jahre lang hatte sie keinen Kontakt zu ihrer Familie, die von ihr nichts mehr wissen wollte. Nun nimmt ihre jüngere Schwester Léa (Elsa Zylberstein) sie bei sich in Nancy auf, wo sie mit ihrem Mann Luc (Serge Hazanavicius) und zwei Adoptivtöchtern lebt. Juliettes lange Haftzeit und der Altersunterschied haben zur Folge, dass die beiden Frauen sich mehr oder weniger fremd sind. Doch als die Sozialarbeiter Léa auf Juliette ansprachen, erklärte sie sich sofort bereit, die Schwester bei sich aufzunehmen.
Zunächst wirkt Juliette verschlossen und kalt, häufig zieht sie sich zurück. Doch Léa bemüht sich sehr, ihr den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Ihr Ehemann Luc sieht dies mit Unbehagen, während die beiden Adoptivtöchter ganz entzückt über die neue Tante sind. Das Haus ist groß, und oftmals sind Freunde zu Gast: Michel (Laurent Grevill), ein Kollege von Léa und großer Charmeur, trägt ebenso wie das Immigrantenehepaar Samir (Mouss Zouheyri) und Kaïsha (Souad Mouchrik) dazu bei, dass Juliette ins normale Leben zurückkehrt. Gleichzeitig entdeckt Léa, wie sehr ihr die Schwester gefehlt hat, der gegenüber sie eine so große Schuld empfindet. Allmählich stellen die beiden Frauen das Ver­trauen, das die Zeit zerstört hat, zwischen sich wieder her und überwinden die Geheimnisse, das ungesagt Gebliebene, das sie brutal auseinandergerissen hat.
Schauspielerin Elsa Zylberstein sowie Produzent Yves Marmion werden neben dem Regisseur für die Premiere um 22.30 Uhr im Berlinale-Palast anwesend sein.

Zudem wird heute der Ehrenbär an den italienischen Regisseur Francesco Rosi verliehen, der außerdem mit einer Hommage an sein filmisches Schaffen geehrt wird.

Madonna versetzt Berlin in Ausnahmezustand

geschrieben am 14. Februar 2008 von Thorsten in Berlinale 2008

Wie erwartet spielte sich die Musik am gestrigen Tag abseits des Berlinale Wettbewerbs ab. Ein Ereignis überstrahlte alle anderen - Superstar Madonna stattete der Berlinale einen Besuch ab und versetzte die ganze Stadt in helle Aufregung. Sie stellte im Panorama Spezial ihr Regiedebüt, die Komödie “Filth And Wisdom” vor.
Schon das Hotel, in dem die Pop-Ikone abgestiegen ist wurde von einer großen Zahl Fans belagert. Zu ihrer Pressekonferenz, die am Nachmittag im Hyatt Hotel am Potsdamer Platz angesetzt war kam sie eine geschlagene Stunde zu spät, weil sie sich vor Fans kaum retten konnte und auch der Hintereingang des Hyatt wurde bereits von unzähligen Schaulustigen belagert. Nach der Pressekonferenz gab Madonna auch einige Autogramme.
Der eigentliche Höhepunkt folgte dann am späten Abend. Um 21.30 Uhr fand die Premiere des Films im Zoo-Palast statt und auch dort herrschte absoluter Ausnahmezustand. Geschätzte 700 Fans drängten gegen die Absperrungsgitter am Roten Teppich und bereiteten der Pop-Diva einen ohrenbetäubenden Empfang, was Madonna mit vielen Autogrammen dankte. Danach rissen sich die Fotographen um das Beste Foto, gefolgt von zahlreichen Fernsehinterviews. Begleitet wurde sie dabei von ihren Darstellern Holly Weston, Vicky McClure und Eugene Hutz.

In ihrem Erstlingswerk schildert die Regisseurin die Geschichte von Andriy Krystiyan, abgekürzt A. K., der aus der Ukraine nach England immigriert ist. A. K. ist Philosoph, das behauptet er jedenfalls, außerdem Dichter und eine Autorität in allen Fragen des Lebens. Zugleich verfolgt er den Plan, ein Weltstar zu werden – “global superstardom” nennt A. K. das Ziel, das er und seine Band Gogol Bordello mit ihrem heftigen Zigeuner-Punk anpeilen. Um bis dahin über die Runden zu kommen, lässt sich A. K. einstweilen für Rollenspiele vor verheirateten Männern engagieren und tritt dabei in Frauenkleidern auf.
A. K. lebt mit zwei jungen Frauen zusammen, Juliette und Holly. Juliette wäre gern so etwas wie eine moderne Florence Nightingale der Dritten Welt. Zurzeit arbeitet sie allerdings bloß als Tresenkraft in der örtlichen Drogerie des aus Indien stammenden Apothekers Sardeep. Holly ist eine ausgebildete Ballerina. Ihr größter Traum ist es, mit dem Royal Ballet zu tanzen, aber weil sie mit dem Tanzen bislang noch keinen einzigen Penny verdient hat, ist sie momentan gezwungen, ihre Fertigkeiten an der Stange des Beechman’s Exotic Gentleman’s Club zu “verfeinern”.
Diese drei ausgeprägten Charaktere stehen im Zentrum einer filmischen Erzählung, die vom ganz normalen Leben handelt – von Menschen, die gezwungen sind, Brotjobs anzunehmen, um sich irgendwann einmal ihre Lebensträume erfüllen zu können. Und in der Tat sind es verschlungene Wege, die einen dabei zum Ziel führen können. Aber ob es nun Wege durch den Schmutz oder solche der Weisheit sind – oft genug führen beide zum selben Ziel.

Mittwoch, 13. Februar - Tag sieben der 58. Berlinale

geschrieben am 13. Februar 2008 von Thorsten in Berlinale 2008

ladyjane.jpgAm heutigen Tag kann die Berlinale wieder mit mehr Star-Power aufwarten, denn ein absoluter Superstar gibt sich die Ehre und wird die eigentlichen Wettbewerbsträge wohl in den schatten stellen - die Rede ist von Pop-Ikone Madonna. Sie stellt in der Kategorie Panorama ihr Regie-Erstlingswerk “Filth And Wisdom” vor. Für die Premiere, die um 21.30 Uhr im Zoo-Palast stattfinden wird, hat sich die Regisseurin höchst selbst angekündigt. Begleitet wird sie von ihren Schauspielern Holly Weston, Vicky McClure und Eugene Hutz. Die Veranstaltung wird sicherlich viele Fans und Medienvertreter anlocken.

Nun aber zum eigentlichen Wettbewerb, der heute um 16.00 Uhr mit dem japanischen Beitrag “Kabei” beginnt, ein Familiendrama, das sich vor dem Hintergrund des 2. Weltkriegs abspielt. Tokio, 1940. Kayo Nogami bereut keinen Tag, den sie mit ihrem Mann Shigeru verheiratet ist. Zwar war ihr Vater damals strikt gegen die Hochzeit, doch das ist lange her. Mittlerweile haben sie Töchter, die ihre Eltern mit “Kabei” und “Tobei” rufen. Mit ihnen führen die Nogamis ein glückliches Familienleben. Doch die Idylle endet mit einem Schlag. An einem kalten Wintermorgen wird Shigeru verhaftet und aus politischen Gründen inhaftiert. Ohne weitere Angaben über die Dauer, die ihr Mann im Gefängnis sitzen muss, ist Kayo jetzt ganz allein auf sich gestellt. Doch ein Student Shigerus, Toru Yamasaki, der jetzt in einem kleinen Verlag arbeitet, unterstützt die Familie in dieser schwierigen Zeit. Die gegenseitige Zuneigung wächst mit jedem Tag, den Yamasaki da ist, und schon bald sprechen die Töchter nur noch von Yamachan, wenn sie von ihm erzählen. Auch die schöne Tante Hisako und der ungehobelte Onkel Senkichi bemühen sich, die traurige Familie aufzuheitern. So schlagen sich die Nogamis durch die Zeit. Shigeru ist jetzt schon das zweite Jahr inhaftiert, als die japanische Armee die amerikanische Flotte in Pearl Harbor angreift und der Krieg im Pazifik entfesselt wird. Das neue Jahr beginnt ohne Neuigkeiten von Shigeru. Dann erreicht die Familie ein Telegramm …
Für die Premiere werden Regisseur Yoji Yamada, Produzent Hiroshi Fukasawa, Drehbuchautor Teruyo Nogami und die Darsteller Sayuri Yoshinaga und Tadanobu Asano erwartet.

Um 19.30 Uhr folgt dann die Premiere des italienischen Wettbewerbsbeitrags “Caos calmo”, für die ein großes Aufgebot am Roten Teppich erwartet wird, zu dem unter anderem der Regisseur Antonello Grimaldi und die Schauspieler Valeria Golino und Alessandro Gassman zählen. In seinem Film thematisiert der Regisseur den langen Prozess des Wartens: Immer wieder spürt Pietro (Nanni Moretti) dieses Gefühl von Chaos und Stille. Seit dem Tod seiner Frau findet er keine Ruhe mehr. Lara starb ganz unerwartet an einem Sommertag. Pietro war damals nicht zu Hause. Er war am Meer und rettete zur gleichen Zeit eine fremde Frau. Seine Tochter Claudia (Blu Di Martino) geht in die fünfte Klasse. Als Pietro sie eines Morgens zur Schule bringt, beschließt er spontan, im Auto auf seine Tochter zu warten. An den nächsten Tagen macht er es genau­so. Es ist, als würde Pietro Zuflucht in seinem Auto suchen. Er sitzt und wartet auf den Schmerz der Einsamkeit. Verborgen in seinem Auto, beginnt er seine Umgebung zu beobachten. Er entdeckt die versteckten Rückzugsorte der anderen. Seine Chefs, die Arbeitskollegen, Verwandte, sie alle kommen zu ihm, um ihn zu trösten. Aber dann erzählen sie ihm nur von ihrem eigenen grenzenlosen Schmerz und ergreifen vor seiner unbegreif­lichen Ruhe die Flucht. Doch allmählich beginnt für Pietro die Zeit der Genesung.

Am späten Abend wird der heutige Wettbewerbstag durch den französischen Film “Lady Jane” beschlossen. Regisseur Robert Guédiguian orientierte sich für sein Kriminaldrama an großen französischen Vorbildern: Damals, als die Rolling Stones “Lady Jane” sangen, verteilten Muriel, François und René gestohlene Pelzmäntel “ans Volk”. Genauer gesagt: an die Bewohner jenes Marseiller Arbeiterviertels, aus dem die drei Freunde selbst stammten und in dem sie schon ihre Kindheit miteinander verbracht hatten. Später stellten sie ihre Raubzüge dann ein. Nachdem sie bei einem Raubüberfall auf einem Parkplatz einen Juwelier getötet hatten, vereinbarten sie, einander nicht mehr zu treffen, um Gras über die Sache wachsen zu lassen und den tödlichen Zwischenfall, so weit das eben möglich war, zu vergessen.
Sie halten sich daran – bis eines Tages Muriels Sohn das Opfer einer Entführung wird. Nun kommt die alte Dreierbande doch noch einmal zusammen. Irgendwoher müssen sie das geforderte Lösegeld doch bekommen …
Zur Premiere des Films sind der Regisseur und die Darsteller Ariane Ascaride, Gérard Meylan, Jean-Pierre Darroussin, Yann Trégouët und Frédérique Bonnal geladen.

Gespenstische Bilder auf der Berlinale - Standard Operating Procedure

geschrieben am 13. Februar 2008 von Haiko in Berlinale 2008

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Wahrscheinlich konnte niemand 2006 den vielen Fotos und Videos entkommen, die durch die Medien geisterten. Sie dokumentierten eine bisher ungeahnte Brutalität im Abu Ghraib-Gefängnis in Bagdad. Zeigen die Fotos ein Verbrechen oder können sie mit S.O.P bestempelt werden?! S.O.P heißt ‘Standard Operating Procedure’, was so viel bedeutet wie eine Standardarbeitsanweisung.

Oscarpreisträger Errol Morris hatte sich vor zwei Jahren zur Aufgabe gemacht, die Soldaten, die die Fotos machten, vor der Kamera zu interviewen und die Fragen zu klären: sind die berüchtigten Aufnahmen ein Beweis für eine systematische Folter durch die amerikanische Armee oder dokumentieren sie nur das anomale Verhal­ten einiger weniger moralisch Verirrter? Entstanden ist ein 118-minütiger Dokumentarfilm im Widescreen-Format, der auf der Berlinale zwei Premieren feiert: zu einem seine Weltpremiere und zum anderen ist es die erste Dokumentation, die im Wettbewerbsprogramm läuft.

Morris wollte seinen kleinen Beitrag zu den Diskussionen hinzusteuern und untersuchte den Kontext der Fotos. Er war in der Position zuhören zu können und bezeichnet selbst sein Werk als einen nicht-fiktionalen Horrofilm. Die Geschehnnise im Gefängnis charakterisiert er als eine Tragödie nicht nur für die Insassen, sondern auch für sein ganzes Land. Mit seinem Film wollte er nicht den Soldaten Platz für Entschuldigungen oder Zugeständnisse bieten, er wollte viel mehr eine Geschichte über die Fotos machen. Zeigen die Fotos Folterungen? “Klar,” gesteht er. Er habe auch die Opfer interviewt, aber er wollte in dieser sich stets veränderten Welt die Soldaten zeigen, die die Schuld auf sich nahmen und so illustrieren, dass das Gefängnis an sich der unwiderlegliche Beweis für Verbrechen in Abu Ghraib ist. Man hätte noch viel mehr reinpacken können, aber er mußte sich auf Sachen begrenzen. “Ohne diese Fotos wären wir blind für diese Momente der Geschichte gewesen,” so der 60-jährige Regisseur, der sich selbst nicht nur als Filmemacher, sondern vor allem auch als Ermittler sieht.

Der Film ist mit vielen Reenactment-Szenen bestückt, optisch aufgestylt und mit einem für einen Dokumentarfilm überaus guten Score unterlegt, komponiert von Danny Elfman. Für einige Journalisten wich Morris mit den vielen historischen Nachstellungen von seinem mit Fakten gepflasterten Weg ab. Doch er konterte: “Muss ich mit einer Handkamera rumlaufen und schlechtes Licht verwenden? Ist die Sache dann glaubhafter? Die Wahrheit kann auch auf einem zweiten Wege präsentiert werden und wir werden die Realität trotzdem erkennen.” Seiner Meinung nach habe er die oberste Regel im Dok-Film befolgt, nämlich die Wahrheit aufzudecken. Viele wissen gar nicht, dass das Militär versucht hatte, viele Fotos zu zerstören und Beweise zu vernichten.

Was ihm geglückt ist, er richtete erneut den Spot des Wissensdurstes der Leute auf das Gefängnis. Vielleicht stellen sich einige die Frage: Was hätte man getan, wenn man selber dort gewesen wäre? Fakt ist, dass viele junge Amerikaner, vor allem arme Amerikaner sich freiwillig zum Militärdienst melden. Sie sehen dort eine Gelegenheit fürs Leben, die womöglich - wie gesehen - in einer der dunkelsten Passage in der amerikanischen Geschichte enden könnte. So schlimm die Bilder auch sind, dabei geht leider der Blick auf das ganze Ausmaß der Geschichte verloren: “Kinder wurden verhaftet, Gefangene zufällig ausgewählt und ohne Hoffnung auf Entlassung und ohne rechtlichen Beistand festgehalten,” so Morris. Hinzu kommt, dass viele Fotos mit einem S.O.P klassifiziert wurden, das heißt, dass die brutalen Verhörmethoden als legal durchgingen. Zwiespältige Eindrücke hinterläßt er allemal. Ist es gestattet in einem dokumentarischen Werk, dass politische Wahrheiten beleuchten möchte, all die kennzeichnenden Manipulationsmittel aus der fiktiven Filmwelt zu nutzen? Vielleicht war dies die falsche Methode und man hätte auf die Kraft der Interviewbilder vertrauen sollen … dennoch eine ergreifende Doku.